22.01.04

"Das ist eben nicht Hollywood"

Es kann eher peinlich sein, einen Film wie Lost in Translation nicht zu mögen und auch noch fest dazu zu stehen.

Heute von zwei Schulbekannten, die mich weniger gut kennen, zu hören bekommen, das sei "der beste Film seit langem" und "eben nicht Hollywood" (und darin natürlich implizierend, dass ich den Film nicht möge, weil es ja kein Film für "die Masse" sei). Als Cinephiler ist man in einer solchen Situation eigentlich früchterlich gegen die Wand gefahren. Man kann gar nicht anders, als - hoffnungslos arrogant - die eigene Elite in Sachen Filmbildung krampfhaft zu verfizieren versuchen. Man wirft mit Namen von großen "Tokio-Filmern" um sich - Marker und Wenders tauchen da ebenso hilflos auf, wie der peinliche Verweis, dass man auch siebenstündige Filme aus Ungarn am liebsten in einer Sitzung sieht. Und ganz ehrlich: Man fühlt sich hinterher fürchterlich blamiert darüber, dass Genie eines Béla Tarr auf die Lauflänge seiner Filme reduziert und ihn - schlimmer noch - für eine unverschämt eitle Autoprofilierung ausgenutzt zu haben.

Das Argument "Das ist eben nicht Hollywood" sollte daher am besten gar nie auftauchen, will man seinem Gegenüber solche Exzesse an belangloser Selbstbehauptung ersparen.

Posted by Janis at 22.01.04 20:20 | TrackBack
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