22.01.04

Gegen G. A. Bells Einfallsreichtum

Menschen haben die Tendenz mit Verwunderung zu reagieren, wenn man ihnen zu erklären sucht, warum man eigentlich nicht mit Behagen telefoniert. Dabei geht es nicht um das Angerufenwerden, sondern das eigene Anrufen. Denn das ist nichts weiter als ein Akt zwischenmenschlicher Vergewaltigung auf der Kommunikationsebene. Die Frechheit des Aufzwingens und Raubens nämlich. Des Aufzwingens einer zweiohrigen - dadurch allein schon quasi intimen - Unterredung und des Raubens am Kostbarsten, der Zeit. Und es besteht sehr wohl ein Unterschied zwischen dem Ansprechen des Gegenübers und dem Anrufen, denn das Anrufen ist die brutalste Form der Kanalisierung auf sich selbst: Keine Chance mehr, hier noch in das Reich der Gesten zu flüchten. Ein "Hab's gerade eilig" ist am Telefon hoffnungslos desaströs; so, als würde man jemanden in einem "echten" Gespräch förmlich aus dem Weg stoßen. Doch während der Angerufene wenigstens noch die Chance auf einen halbwegs würdevollen Verlauf hat (wenn auch nur deshalb, weil er der Bestohlene ist), so unternimmt der Anrufer eigentlich schon mit dem ersten Klingelnlassen einen Akt der Gewalt.

Posted by Janis at 22.01.04 00:12 | TrackBack
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