16.02.04

Serge Daney

Resnais was the filmmaker who had taken me away from childhood or rather who had for three decades made me a serious child. And he is precisely the one with whom, as an adult, I would never share anything. I remember that at the end of an interview – for the release of "La vie est un roman" – I thought useful to tell him about the shock of "Hiroshima mon amour" in my life. He thanked me, courteous and distant, as if I had said something nice about his new raincoat. I was upset but I was wrong: the movies that have watched our childhood cannot be shared, even with their author.

(Quelle: Serge Daney in Trafic, Ausgabe Nr. 4, Herbst 1992; in der übersetzten Form abgedruckt in Senses of Cinema, Ausgabe Nr. 30)


Eigentlich ist es genau das. Der prinzipielle Grund, warum über Filme unbedingt geschrieben werden muss. Denn im Schreiben (wenngleich dann jedoch auch nur im Schreiben an und für sich selbst) liegt scheinbar ein recht kleiner Filter zwischen der Initimität und Einsamkeit im Akt des Aufsaugens von Bildern und dem Versuch der Wiedergabe dieser Erfahrung.
Das alles bricht aber dann auf, wenn es uns selbst verlässt, wenn es - wie hier mit Alain Resnais - auf einen ganz natürlich anderen Wahrnehmungskosmos trifft. Das ganze Dilemma der Kommunikation von Rezipiertem ist bei Daney in einem Absatz zusammengefasst; und er war einer von jenen, die es vermochten, uns dieses Leid in den besten Momenten weniger schmerzlich erscheinen zu lassen.

Posted by Janis at 16.02.04 02:09 | TrackBack
Posted to ausgesuchtes & zugefallenes | im kino gewesen. geweint.


Comments

Obgleich jeder Zuschauer einen Film anders aufnehmen mag, so ist der "Akt des Aufsaugens von Bildern" meiner Meinung nach alles andere als intim. Ich denke eher das Lesen eines Buches ist eine sehr einsame Beschäftigung, die man mit wenigen Leuten teilen kann. Man liest ein Buch vollkommen für sich alleine, und lässt die Geschichte in seiner eigenen Gedankenwelt dabei entstehen. Sich mit jemand anderem über das Gelesene auszutauschen kann sinnvoller weise nur folgen, wenn dieser jemand die gleiche Geschichte gelesen hat. Beim Film sieht jeder zum gleichen Zeitpunkt, zumindest im Kinosaal wo die meisten Filme auch hingehören, die bewegten Bilder. Die Interpretationen des Gesehenen können natürlich sehr unterschiedlich ausfallen, aber das Ereignis selbst ist sehr gesellschaftlich.

Wirklich einsam ist in meinen Augen also der Akt des Lesens.

Posted by: Matthias at 16.02.04 16:15

Nicht vielleicht eher der des Lebens?

Posted by: Janis at 16.02.04 16:51

Der kommt natürlich auch noch vor, vor ihm nimmt natürlich der Akt des Sterbens den Sitz en.

Posted by: Matthias at 16.02.04 17:08
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