15.03.04

Früher Frühling

Ich mag diese lauen ersten Frühlingstage im Jahr.
Irgendwo sah ich vor einiger Zeit ein Gemälde. Ich weiß nicht mehr von wem, wie es hieß oder von wann es war. Mittleres 19. Jahrhundert vielleicht, oder auch etwas später. Es zeigte jedenfalls eine Marktszene und man konnte geradezu die Temperaturen fühlen - ein entschiedener, aber eben doch nur schleierartig im leichtesten Ton aufgetragener Hauch aus letzter Kälte - wenn es denn ein Frühlingsbild war - lag darüber. Oder aber auch einer von letzter Wärme, im Fall einer Ansiedlung der Szenerie im spätesten Sommer. Die Unbestimmbarkeit (oder zumindest: für mich unbestimmbar) einer exakten Datierung innerhalb des Jahresablaufs macht dieses Bild für mich reicher. Es liegt eine unsagbare Zärtlichkeit des Übergangs darin. Alles allein bestimmt durch einen spezifischen Farbton, der Eis und Sonnenwärme gleichermaßen zu tangieren scheint. Alles hier scheint zu warten auf die Verfestigung eines Zustandes. Dazwischen liegt eine unzweifelhafte Erotik.

Posted by Janis at 15.03.04 01:35 | TrackBack
Posted to aus einem kaum beschädigten leben


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