Ein weiter Trakt im Sammlungsbereich der Stuttgarter Staatsgalerie enthält größtenteils (vornehmlich tief religiöse) italienische Malereien des 13. bis 18. Jahrhunderts. Hier finden sich Ikonen, Altarausschnitte, Kreuzwege usw. Meistens - natürlich vor allem in den mittelalterlichen Darstellungen - im Vordergrund: Leiden und Sterben Jesu.
Ich verlor mich (und schließlich auch meine Begleiter) gerade ein wenig in den Gängen, als mir ein alter Mann im Rollstuhl auffiel, der von zwei Frauen in eben diesen sehr religiösen Teil der Ausstellung geschoben wurde. Eine der beiden Frauen sagte: "Das wolltest du ja sehen, zur Einstimmung auf die Karwoche." Der Mann begann dann vor nahezu jedem Exponat aus dem Kopf und im weiten Bezugsbogen zu erzählen und zu referieren, entzifferte und übersetzte die bisweilen kaum mehr lesbaren lateinischen Inschriften, deutete die Symbolsprache und analysierte den Kontext, was zur Folge hatte, dass sich relativ schnell einige Zuhörer um ihn sammelten. Das störte ihn nicht. Er sprach von der Darstellung Maria Magdalenas in der Kunstgeschichte und wirkte ganz und gar zufrieden.
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