
Es kann ein müßiger Versuch sein, Mahlers Dritte zu "intellektualisieren". Die Musik ist "intellektuell", nur stammt ihre "Intellektualität" auch gerade aus ihrem augenscheinlichen Naivsein, ihren Augenblicken, in denen sie bewusst ans Triviale grenzt, in ihrem schamlosen "over the top"-Charakter. Wer an diese Symphonie herangeht, in der Absicht, sie zu "zerlegen", mit dem Ziele, dann jenseits der beispiellosen Ausnutzung des Orchesterapparats etwas zu finden, das ein "konventioneller" Ansatz nicht finden könnte, der ist dem Intellekt dieses Werks eher hinderlich, als denn dienlich. Denn mehr als irgendetwas sonst, ist die riesenhafte Dritte in Mahlers Werk die "Fundgrube" seines kompositorischen Schaffens; von der "Vorweltlichkeit" (Adorno) des ersten Satzes, bis hin zur Apotheose des Höchsten (Liebe / Gott) im letzten. Der Entwurf einer "Weltenschaffung" als solcher und seine bis dato vollkommen neue musikalische Sprache sind bei weitem kühn genug - und einer, der das versteht, ist Riccardo Chailly auf seiner neuen Einspielungen (der vorletzten in seinem Mahler-Zyklus; die Neunte Symphonie folgt im kommenden Jahr) mit dem Concertgebouw Orchestra. Chailly macht alles richtig, seine Deutung ist beides: Endlos kraftvoll und gleichzeitig äußerst transparent, gezeichnet von einem blaugoldenen Klangfarbton. Er ist voll und ganz konspirativ mit dieser Musik, glaubt an ihren Geist. Sein Orchester folgt ihm bedingungslos überall hin und die Virtuosität im Spiel ist hier ohnehin schon seit Mahlers Tagen als Gastdirigent dieses Klangkörpers Gegenstand von Legenden.
Der Einspielung beigefügt ist (anstatt des sonst oft obligatorischen Liederzyklus) ein Mahler-Arrangement aus Sätzen der Bach-Suiten Nr. 2 (h-Moll) und Nr. 3 (D-Dur). Feine Sache in Idee und Ausführung.
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