Theaterformen-Festival hier in Braunschweig. In diesem Rahmen gibt es auch einige experimentell-dokumentarisch-essayistisch geartete Filme zu sehen.
Kurz vor zehn Uhr. Ich komme durch die gläserne Drehtür ins Theatergebäude, im von hellem Holz und schwarzem Metall dominierten Foyer steht ein einzelner Mann ans Geländer gelehnt und liest in den Programmheften. Drei, vier weibliche Angestellte schwirren durch den Raum, ohne, dass sie irgendeiner ersichtlichen Aufgabe nachgingen. Eine der Frauen kommt man auf mich zu, fragt, ob sie mir helfen kann. Ich erkundige mich nach den Filmvorführungen. Sie verweist mich in die oberste Etage: "Das ist in der Probebühne, im zweiten Rang."
Oben angekommen betrete ich einen bereits spärlich beleuchteten Raum. Die die Fenster reihum verdeckenden schwarzen Samtvorhänge bilden ein Oval, Scheinwerfer hängen von der mit Heizungsrohren durchzogenen Decke, eine Treppe führt hoch zu einer den Raum umrundenden Galerie. Alles sehr "indie". Auffallend lose im Raum verteilt: Tische, die wie anziehende Pole für die um sie herum stehenden Bistrostühle wirken. An ihnen sitzen schon einige Zuschauer (bekannte Gesichter dabei) und schauen in fast andächtiger Stille auf eine beige, leere Ziegelwand. Hinten im Raum: ein Video-Beamer.
Ich nehme mir einen Stuhl an einem der Tische links außen. Der Vorführer und Organisator des Abends tritt nach ein paar Minuten vor uns. Ein Österreicher ("In der Schweiz ansässig"), der uns im breitesten Wienerisch erklärt, dass er für diese Vorführungen (deren Eintritt frei ist) gerne nicht unbedingt direkt eine "Kaffeehausatmosphäre" haben möchte, aber doch eine, die daran erinnert und die er mit einem österreichischen Begriff beschreibt, den ich mir nicht merken konnte. Ach ja, eine Leinwand gäbe es nicht, so sagt er uns. Warum, das kann er selbst nicht so wirklich erklären, der Zustand soll sich aber bis zu den nächsten Vorstellungen verbessern. Ein auf Anhieb sympathischer Typ bleibt er trotzdem.
Links hinter mir gibt es einen Kühlschrank mit Getränken. "Bier für einen Euro, Wasser für einen halben Euro", so sagt der Organisator. Man hat eine kleine Dose für das Geld aufgestellt. Kassieren tut niemand. Es herrscht Vertrauen.
Zwischen den beiden Filmen hole ich mir ein Bier. Irgendwie ist es fast gemütlich hier oben, wo es inzwischen so voll (und auch warm) geworden ist, dass einige auf den Tischen an den Seiten sitzen.
Eigentlich haben wir hier keine echten Möglichkeiten, solche Filmveranstaltungen adäquat durchzuführen. Das merkte man auch durchgehend. Dafür aber, dass es trotzdem einfach gemacht wird, ja, dafür mag ich diese Stadt manchmal fast wieder.
Die Hauptsache ist doch das Filme gezeigt werden, und selbst wenn alles amateurhaft ausgeführt wird, so ist es doch so zumeist viel sympathischer. Und welches Filmfest ist bitteschön richtig gut durchorganisiert.
Posted by: Matthias at 10.06.04 14:24| Sun | Mon | Tue | Wed | Thu | Fri | Sat |
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