Vorhin noch ein weiteres Mal bei den Theaterformen-Filmen gewesen - Harun Farockis Erkennen und verfolgen. Heiß war's. Draußen vor dem Kulturinstitut saßen die Zuschauer auf den Treppen, warteten auf den Film. Bier wurde getrunken, drinnen, an der Bar, herrschte ausgelassene Sekt-Stimmung. Im Saal selbst dann die Warnung von der Dame, die den Film ankündigte: Was jetzt kommt ist anstrengend, schwierig, intellektuell herausfordernd. Vergnügen, das kann man hier nicht wünschen.
Die Luft war entsetzlich schwül. Unbeweglich sitzt hängt man in seinem Stuhl. Vielfach Ermattung, schon nach ein paar Minuten. Zaghaftes Nippen an den Bierflaschen, den Sekt- und Weißweingläsern. Stimmungsumschwung bei manchen. Hinter mir ergreifen nach zwanzig Minuten bereits einige die Flucht.
Über die Leinwand schwimmen derweil Farockis kühne Montagen mit Aufnahmen, die auf Bomben montierte Kameras gemacht haben; dazu: Auszüge aus militärischen Videosimulationen, aus den Bildern von Informations- und Überwachungskameras in der industriellen Fertigung von Chips, Autoteilen, Robotern. Mit diesen "operativen" Bildern tun sich Kleinstwelten auf: faszinierend und wunderschön die Bewegungen der Roboterarme, minutenlang. Die Art, wie diese Maschinen "sehen" ohne zu sehen. Das Sammeln von Zeichen, der Vergleich mit den vorab gespeicherten Informationen - Farocki macht ihn sichtbar, diesen unechten, aber wirkungsvollen "Blick", der ausschließt, gar tötet, was nicht schon im Innern vorhanden ist. Diese Unbeholfenheit des Robotertotalitarismus ist eisig. Selten ist der Mensch vorgespeichert. Zu schwierig. Noch.
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