17.12.04

"Guten Tag, mein Name ist..."

Ganz früher hat man uns in der Schule beigebracht, "in ganzen Sätzen" zu antworten, was seine seltsamsten Auswüchse immer darin fand, dass Begriffe der Frage in der Antwort wörtlich wieder aufgegriffen wurden. So ähnlich redete auch der Herr, der mich vorhin anrief, und mit mir eine Umfrage zum Thema "Schnelles Essen und Trinken außer Haus" durchführen wollte. Auf meine Frage "Wie lange wird die Umfrage denn ungefähr dauern?" antwortet er "Die Umfrage wird ungefähr 15 bis 20 Minuten dauern". Ich sage ihm, dass ich wenig Zeit hätte (was nicht stimmte, aber das sollte man doch schon sagen, um sich nicht allzu willig vorzukommen, wenn man gleich zig Fragen über McDonald's und Burger King beantworten wird), woraufhin er durch die Fragen hetzt, als ginge es um Leben und Tod. Der Großteil besteht daraus, dass ich zu den drei "beliebtesten" Fast-Food-Läden eine bei allen dreien gleiche, ellenlange Liste von Aussagen im Stile von "Das Essen bei xy war heiß", "Xy entspricht meinem Lebensgefühl" und (einfach großartig!) "Bei xy waren bei meinem letzten Besuch Gäste, in deren Gegenwart ich mich wohl fühlte" auf einer Skala von eins bis fünf bewertete.
Während ich das mache (was übrigens draußen vor der Tür ganz seltsam gewirkt haben muss, dieses Runterrattern von "zwei --- vier --- zwei --- drei --- eins" usw.), versucht er immer wieder durch kleine Einschübe die "Gesprächssituation" aufzulockern: "Die drei, ahja... soso, die zwei, sagen Sie." Als es dann zu der Frage kommt, ob mir denn die Figur des Ronald McDonald ein Begriff sei (was ich bejahen musste), folgt darauf, inwiefern ich diese Figur denn wohl leiden möge oder nicht und ich kam nicht umhin, zu bemerken: "So viele Dinge, über die man nie nachgedacht hat, finden Sie nicht?" Er ist amüsiert und man merkt irgendwie, dass er das "so nebenbei" macht, diesen Job da am Telefon. Wünscht mir dann ("im Namen des Teams") ein schönes Wochenende. Ich ihm auch, ernsthaft.

Posted by Janis at 17.12.04 22:01 | TrackBack
Posted to aus einem kaum beschädigten leben


Comments

Das ist doch mal was. Nach unendlichen stolzen Berichten über das gnadenlose Niederreden armer Call-Center-Arbeiter im Web nun mal auch das Gegenteil. :-)

Posted by: Christian at 17.12.04 22:49

Habe das auch mal 8 Monate gemacht. Ein echter Scheißjob. Und das man da spricht wie ein Erstklässler beim Vorlesen liegt auch meist an den generellen Auflagen, die man erfüllen muss (könnte ja ein Supervisor mithören). Und ja, die machen das alle nebenbei, weil keiner es sehr lange bei diesem Job aushält, er ohnehin nur für Studenten rentabel ist und es vermutlich keinen Menschen gibt, der in dieser Tätigkeit sowas wie Lebensinhalt sieht (zumal die Bedingungen massiv zum Kotzen sind, die Bezahlung öde und die Belastung von Geist und Körper enorm (wer mal 8 Stunden am Stück geredet hat, kann das nachempfinden...)).

Und "Niederreden von CallCenter-Agents" ist auch mal unterste Schublade, zumal wenn man noch stolz drauf ist. Die Leute, die das machen, sind arme Schweine, die am wenigsten was für das Generve können, deren Anrufe ihnen meist selbst noch peinlich sind. Wer hier "niederredet" und sich damit auch noch brüstet, tritt vermutlich auch Putzfrauen die Reinigungskübel um...

Posted by: Thomas at 19.12.04 13:03

Habe von einer Bekannten, die diesen Job mal machte (und ganz wie du schon allgemein bemerktest: ebenfalls nicht lange), auch dereinst von den widrigen Bedingungen in diesem Feld gehört. Unter anderem auch mit so Späßen wie Auflagen hinsichtlich der Anzahl "erfolgreicher" Anrufe, die es an den Mann zu bringen gilt. Das und natürlich die exzessiven und leidenschaftlichen Beschimpfungen, die man sich da wohl alle paar Versuche mal anhören darf. Als wär's ein Sakrileg, angerufen zu werden...

Posted by: Janis at 20.12.04 01:21
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