20.12.04

Der Gutmensch

Er verkauft hier in einer großen Buchhandlung, die zur Weihnachtszeit vollkommen überlaufen ist. Er trägt Anzug, exakte Haare, silberne Rundbrille und hat das spitze Gesicht eines Sich-Auskenners. Er steht hinter mir, als ich in einem Regal stöbere und tippt etwas in seinen Computer. Nun trägt es sich zu, dass ein älterer Mann mit Mütze auf ihn zukommt und fragt, welche sachlichen Bücher über das Alltagsleben in der DDR er denn vorrätig habe. Er wolle die zu Weihnachten in der Familie verschenken, da Frau und Kinder so geschichtsignorant seien. Was der Verkäufer dann sagt, erscheint als strahlendes Musterbeispiel für regelrecht manische, heroische Kundenfürsorge: "Mit Verlaub, Weihnachten ist das Fest des Friedens. Wollen Sie das wirklich verschenken? Damit schüren Sie den Familienzwist doch nur noch weiter."
Den belehrenden, aber dennoch stets untergebenen Ton, in dem er dieses vorzutragen verstand, können Sie sich kaum vorstellen. Amüsant und ein bisschen schockierend.

Posted by Janis at 20.12.04 18:48 | TrackBack
Posted to aus einem kaum beschädigten leben


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