14.01.05

2046

die kamera, die ein bild verlässt, das schließt mit dem tisch, einem eindrittelvollen glas darauf und einer frauenhand daneben, mündend, nach der weichesten fahrt nacht rechts im dunkeln. zhang ziyi, die eine tür öffnet und erwartung ist. der blick aus dem zug, das an das glas gepresste gesicht, das umdrehen der spielkarten, die hände, die sich einmal in schwarzweiß, betrunken im taxi ineinander fügen, später (nach allem, was dazwischen liegen kann) im verzweifelten händedruck auseinander reißen, der schwarze handschuh, im gehen wippend an ihr, ihr, ihr, [so viele tränen, so viel rauch], die füße, die über den boden gleiten, japanischkurs dazu und elektrische ladungen unter den sohlen, die neonreklame des hotels, die frauen daneben, immer rauchend, der himmel einmal, gelb und blau, einmal auch das meer, aber nur vielleicht, ein bild jedenfalls, das das meer hätte gewesen sein können, zhangs erste träne, wenn sie erzählt, singapur, ob es da warm sei, das flüchtige wegwischen bloß des kleinen tropfens, unten, am übergang vom gesicht zum hals, dieses schwarz, dieses rot.
so gestaunt.

Posted by Janis at 14.01.05 23:24 | TrackBack
Posted to im kino gewesen. geweint.


Comments

Sehr schön. Kommt meinen Empfindungen sehr nahe. Einen Film während man ihn sieht lieben. In London im letzten Jahr eigentlich auch schon? Du sagtest ja etwas davon.

Posted by: sma at 15.01.05 14:18

In London war der eigentlich angedachte Starttermin verschoben worden, damit der Film beim London Film Festival würde gezeigt werden können (ist natürlich ein Prestigeobjekt, keine Frage). Und dieses begann leider erst zwei Tage nach unserer Abreise.

Posted by: Janis at 15.01.05 15:47

Hm, ja, das bei etwas derartigem natürlich auch erwas derartiges dazwischen kommen müsste. Schade.

Posted by: sma at 15.01.05 16:05

Wie so häufig ist deine Beschreibung des Filmes sehr schön, und nein, ich kenne ihn noch nicht.
Werde ihn am Donnerstagabend auf einer wirklich immens großen Leinwand erleben können!
Noch dreimal werde ich noch wach...

Posted by: Matthias at 17.01.05 18:49

Wäre jetzt 1991 und du hättest gerade "Days Of Being Wild" gesehen, wäre das perfekt gewesen. So bleibt leider der fahle Beigeschmack, das Wong Kar Wai sich zum 3. Mal selber kopiert hat und der Film deshalb eigentlich mehr enttäuscht als glücklich macht. Bleibt zu hoffen, das Kar Wai narrativ wieder neues findet und sich nicht auf immer und ewig dem Festival Publikum anbiedert, wie es Kim Ki-duk auch schon seit 3 Filmen macht.

Posted by: pta at 17.01.05 19:49

Wenn sich beide Filmemacher in der Tat "anbiedern" sollten, dann gestehe ich, ihnen verfallen zu sein.
Außerdem hat Wong narrativ doch eigentlich fast seit jeher beständige Themenkreise um Liebe, Einsamkeit, Trennung, usw. Offen gesagt habe ich bei "2046" kaum ein Auge für einen großen erzählerischen Bogen gehabt. Es war allerdings auch schon eine Weile her, seitdem ich "In the Mood for Love" gesehen hatte, den man wohl sehr "präsent" haben muss, wenn man "2046" wirklich durchdringen will. Ich habe den Film eher "erfühlt" und da hat er mich zutiefst beeindruckt.

Posted by: Janis at 17.01.05 20:41
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