18.04.05

Wohlige Berechenbarkeit

Die "Urnebel", aus denen ein Gebirge aus Klang entsteht, als seien sie - vielleicht ja durchaus im Sinne ihres tiefreligiösen Schöpfers - der Atem Gottes, die Scherzi, die immer noch einmal von vorne anfangen und diese Adagios, die immer auf einen Punkt zusteuern, an dem die Zeit einen Moment lang still steht, an dem es - je nach Edition - vielleicht dann auch mal einen oder gar zwei Beckenschläge geben darf. Die Anklänge an Wagner, mit denen diese Adagios so oft nach jenem letzten gewaltigsten Ausbruch ausklingen. Die sphärischen, nachtschwarzen Hörner, die dann - wie in der Siebten und Achten - aus der Tiefe emporsteigen (ganz so wie man in der Musik des Rheingold immer hinaufsteigt zu den Göttern Walhals, wenn diese erstmals nach dem Alberich/Rheintöchter-Spiel in die Szenerie treten) und schließlich jene Finalsätze, deren Enden überhaupt gar keinen Effekt kennen, kein Draufsetzen. Die Musik läuft und steigert sich, bis sie mit zwingender Logik reißt, fast abbricht. Immer dieses Gefühl, dass hier alles Grund hat, alles seinen Bezugspunkt, ein feinstes Maßgespür vorliegt. Manchmal als sei die geistige Welt der Kunst der Fuge auf ein Riesenorchester übertragen worden. Es gibt Momente in der Musik Bruckners, da öffnen sich einfach die Himmel.

Posted by Janis at 18.04.05 22:16
Posted to mit größtem ausdruck


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