21.12.05

Kopf-streichel-Szenen

beforesunsetk.bmp

In Before Sunset, den ich heute in Teilen zufällig noch einmal gesehen habe, gibt es im Zusammenhang mit dieser Sequenz oben eine wundervolle, ganz bezwingend wahrhaftige kleine Szene: Hawke erzählt, auf den Boden vor sich schauend, von seinem Traum, in dem Celine noch im Bett neben ihm liegt und er ihren Knöchel streichelt, während sie sich jedoch von ihm weggedreht hat. Julie Delpy hört zu und macht dann mit ihrer Hand eine zögerliche, doch wie aus ihrem tiefsten Innern kommende Bewegung in Richtung seines Hinterkopfes, ohne, dass er es sehen könnte. Sie scheint sich genau in dem Moment dagegen zu entscheiden, jetzt über seinen Kopf zu streicheln, und zieht ihre Hand zurück, als er für einen kurzen Augenblick wieder zu ihr hochschaut. Das alles dauert vielleicht eine oder zwei Sekunden, aber man kann das nicht spielen, nicht planen und es ist phänomenal, weil hier Zufälliges und ganz und gar "Beabsichtigtes" auf einer Ebene ineinanderfallen, auf der dies nicht mehr aufgetrennt werden könnte. Was bleibt, ist der unwiderstehliche Zauber von der sich verschränkenden Verselbständigung eines Augenblicks - und bei mir auch der Gedanke an eine andere, diesmal "gelungene" Kopf-streichel-Szene. Aus einem der zärtlichsten Filmenden überhaupt:

ending.jpg

Posted by Janis at 21.12.05 01:26
Posted to im kino gewesen. geweint.


Comments

Das Faststreicheln des Kopfes, kam das nicht auch in Before Sunrise vor, nur dass es da Ethan Hawke versuchte? Überhaupt gibt es Szenen und Momente, in den beiden Filmen, die sich zu "reimen" scheinen. In beiden Filmen fragt er sie z.B., ob sie an Wiedergeburt glaubt, einmal bejaht sie die Frage, einmal verneint sie sie. Und da gab es noch mehr von diesen Momenten, die mir gerade nicht einfallen.

Das sind doch Monica und Gabriele, weiter unten...

Posted by: Madtus at 23.12.05 00:15

Leider habe ich "Before Sunrise" nicht mehr so im Kopf, dass ich mich daran noch erinnern könnte - ist schon einige Jahre her. Aber dass es da Szenen gibt, die im Nachfolger quasi neu aufgelegt und variiert werden, ist natürlich sehr denkbar und würde sich in diesem Fall ja auch anbieten.

Und ja, das sind natürlich (die so etwas von göttliche) Monica Vitti und Gabriele Ferzetti am Schluss von "L'Avventura". Er sitzt dort und weint, sie tritt von hinten an ihn heran, will ihm die Hand auf den Rücken legen, zieht sie dann doch zurück, zögert wieder und wieder, schließlich drückt sie sie regelrecht in seine Haare und streichelt seinen Kopf ganz fest, als wollte sie ihm sagen: "Schon gut. Es wird alles anders und bleibt wie es ist." Letzte Totale und Schwarzblende. Was für ein Schluss.

Posted by: Janis at 23.12.05 19:03
Post a comment









Remember personal info?




Aus Gründen der Spam-Abwehr tragen Sie bitte den folgenden Zahlencode im Feld darunter noch einmal ein, bevor Sie Ihren Kommentar abschicken.