31.10.04

Reflektorium

Den Cicero in der Post gehabt. Nicht an mich adressiert, sondern als Probeexemplar an die Praxis meines Vaters.
Anbei ein Schreiben, in dem Selbstmitleidsprovozierendes steht wie die Feststellung, dass Menschen (im Brief in Fettschrift als "Ihre Kollegen" bezeichnet) in anderen Ländern schließlich den New Yorker, Atlantic oder The Spectator lesen könnten, ein derartiges "Reflektorium" (welch Wort!) in Deutschland aber bislang gefehlt habe. Auf dem Cover der Schwerpunkt dieser Ausgabe: UNSER MANN IN MOSKAU - Warum Putin besser ist als sein Ruf und Russland eher in die EU gehört als die Türkei. Kein Witz. Und drin steht auch noch was von Alexa Hennig von Lange, nämlich 'ne halbe Seite übers Betrinken. Magazin für politische Kultur...?
Gut, freilich noch nichts (außer diesem von Lange-Text) darin gelesen, meine aber jetzt (auch mit Blick auf die wuchtig-silbern-schwarze Benz-Werbung auf der allerersten Doppelseite) schon einordnen zu können, wo dies zunächst einmal zu tun wäre: Im Bett.

Posted by Janis at 02:07 | Comments (0) | TrackBack

29.10.04

L'Argent

Am Ende, diese unbeschreibliche Szene mit der Lampe, wie er sie über den Boden trägt, in die Zimmer hinein, in die Morde hinein; wie die Sequenz und Schnittfolge völlig fließend bleibt, ohne, dass die Tötungen gezeigt werden. Dann die letzten Momente, genau jetzt, wo alles gesagt, das äußerste Extrem erklommen ist. Nicht ohne Hoffnung, das fiel mir jetzt zum ersten Mal auf. Wirklich nicht ganz ohne Hoffnung. Jedoch im letzten Bild bleibt der Blick der versammelten Menschen im Nichts haften, in der Leere des Restaurants, aus dem Yvon geführt wird. Erst hier - in dieser maßlosen Auslöschung alles Falschen, Echten, Guten, Bösen, Schuldigen und Unschuldigen - scheint die Welt wieder zur Ordnung, zum Fluss zu finden. Vielleicht darf man sagen, dass auch dies eine Art verzweifelten jansenistischen Blickens ist: Gnadenreiche Gesamtvernichtung. Ohne Anschauung.

Posted by Janis at 00:22 | Comments (0) | TrackBack

26.10.04

legendary notebook

Ein moleskine-Notizbuch gekauft (siehe auch hier). Herrlich albern das Gefühl, damit ein Stückchen fin du siècle und alteuropäische Wanderlust erworben zu haben. Meinen Namen kritzel ich hinein und setze eine kleine Belohnung in US-Dollar aus, falls es verloren gehen und wiedergefunden werden sollte. So hat Bruce Chatwin das gemacht, erzählt mir der mehrsprachige Begleitzettel, der ganz hinten liegt. Dort, wo auch eine kleine Tasche ist, in die ich ein Stückchen Schleifpapier lege, um den Bleistift zu spitzen, mit dem ich schreibe. Dann trage ich ein, das hier schreiben zu wollen.

*gerade noch gefunden: ein moleskine-Blog. Erstaunlich.

Posted by Janis at 20:21 | Comments (0) | TrackBack

25.10.04

das

humatrix-labor
jörg friedrich
richard von weizsäcker, wie er mahnt: "und sagen sie nicht, man hätte sie nicht gefragt."

Posted by Janis at 18:37 | Comments (5) | TrackBack

Waggish Reads Proust

Weblog-Hinweis:
Waggish Reads Proust

I have never fully appreciated unrequited love. Whenever I've pursued someone and they've given me little or negative responses in return, it's been all too easy to say, "Well, I guess they aren't for me after all" and turn my gaze elsewhere. The idea that you could eventually alchemize someone's indifference into 24-carat affection struck me as (a) a lot of work, and (b) counterintuitive. Wouldn't you be better off starting from the base of someone who actually likes you?

Posted by Janis at 16:02 | Comments (2) | TrackBack

21.10.04

So gegen acht...

fahren ein Freund und ich in seinem maueralten, krakelenden Opel durch die Lande zwischen Braunschweig und Salzgitter. Irgendwann sitzen wir in einer Gartenlaube, die dem Freund eines Freundes gehört, und in deren Ecke (neben einem unpassenden, riesenhaften Schrank im Antikstil) ein Fernseher steht, an dem zwei Typen ein Video-Prügelspiel bestreiten. Es ist dunkel und eine merkwürdige Schönheit geht aus von diesen springenden, schlagenden, zuckenden Pixelbergen in utopischen Umwelten, auf die sich alle Augen richten.
Gegen elf fahren wir wieder nach Braunschweig zurück. Über die Landstraße und durch zahllose schlafende Dörfer. Vorbei an den nächtlichen norddeutschen Landschaften, den Äckern, den Lichtern, dem schwarzen Rauch von Verbrennungsanlagen, vor dem sich noch dunkler die Bäume und Sträucher abzeichnen. Irgendwo in der Ferne steht ein gewaltiger Industrieturm mit diesen roten Leuchten daran, die seine Höhe deutlich werden lassen. Erhaben, wie ein Untier ragt und wacht er über den leeren, dösigen Gegenden und in ihm wohnt der gleiche kleine Funke mythologischen Feuers wie in diesem Spiel, welches gewinnt, wenn man es bei Nacht und so leise und eben irgendwo in einem Gartenhäuschen sieht.
Manchmal mag ich es hier.

Posted by Janis at 04:07 | Comments (0) | TrackBack

20.10.04

wanderlust

wanderlust.jpg

Posted by Janis at 02:52 | Comments (3) | TrackBack

to walter benjamin

benjamin.jpg

Posted by Janis at 02:47 | Comments (0) | TrackBack

triumvirate of sleep

banalities.jpg

Posted by Janis at 02:46 | Comments (0) | TrackBack

night of the ultra-scary living dead

scaryfolks.jpg

Posted by Janis at 02:38 | Comments (0) | TrackBack

lichter II (lichtstraße)

licht.jpg

Posted by Janis at 02:35 | Comments (0) | TrackBack

lichter I

reflections.jpg

Posted by Janis at 02:34 | Comments (0) | TrackBack

agit banksy

sickbastards.jpg

Posted by Janis at 02:30 | Comments (0) | TrackBack

uma / tube

demand.jpg

Posted by Janis at 02:27 | Comments (0) | TrackBack

chinatown III

chinatown3.jpg

Posted by Janis at 02:24 | Comments (0) | TrackBack

chinatown II

chinatown2.jpg

Posted by Janis at 02:24 | Comments (0) | TrackBack

chinatown I

chinatownk.jpg

Posted by Janis at 02:05 | Comments (0) | TrackBack

19.10.04

zurück

- Gegenüber von unserer Herberge der Hintereingang zum Piccadilly Theatre: In Neonleuchtschrift steht auf einem Schild "stage door", darunter ein geschwungener Pfeil. Eine Frau sitzt vor der Bühnentür auf einem Bretterplateau und raucht unter dem Schild. In der Dämmerung. Ich traue mich nicht, ein Photo zu machen.

- Unser Zimmernachbar heißt Pete und stammt aus New Jersey. Als ich ihn frage, was ihn nach London bringt, sagt er mit tiefem amerikanischen Dialekt, der im bisweilen kieksenden British English eine recht angenehme Abwechslung darstellt, bloß: "Travelling". Er sitzt am Fenster und schreibt etwas in ein Notizbuch. Ein sagenhaftes Urvertrauen schlägt umgehend zu.

- Unterhalb eines Gerüsts in der Nähe von Harrods kommt ein Obdachloser auf mich zu und fragt nach etwas Geld. Als ich ihm etwas gebe, fragt er mich, woher wir seien. Achtzehn Jahre in Deutschland, in der Nähe von Düsseldorf habe er gelebt erklärt er daraufhin auf Deutsch. Aus Ostpolen stamme er eigentlich. Seit acht Monaten jetzt in London und vergangene Nacht habe man ihm seinen Schlafsack gestohlen. Er nimmt das Geld, sagt Ich bedanke mich - ich wünsche ihm viel Glück. Als er mir dann noch Einen schönen Aufenthalt euch noch hinterher ruft, fällt meiner automatisierten Sprache in dem Moment nichts besseres als Ich dir auch ein. Geschämt dafür.

- Beim Classical Music Exchange in Notting Hill Gate, einem formidablen Ort, gehe ich die Regale ab. Die untersten fast auf Knien. Während ich bei den Opern nach einer Live-Einspielung des Fliegenden Holländers unter Klemperer suche (und nicht finde), lausche ich auf einem Ohr einem Gespräch zweier Kunden, die sich hineinsteigern in eine Diskussion über Mahler und Brahms. Ganz unprätentiös und mit viel Liebe. Ich kaufe Böhms Tristan, Chaillys Gurrelieder und Mahler #5, Isokoskis Strauss-Lieder und Jansons Mahler #2. Der Verkäufer hinter dem Tresen, der gerade fünf oder sechs randvolle Kisten mit Schallplatten (some late monos and early stereos) in den Laden geschleppt und damit den Weg zur Kasse versperrt hat, ist sichtlich erfreut über meine Auswahl, bedankt sich x-fach und entschuldigt sich ebenso oft dafür, dass ich mich zum Zahlen so sehr über die Kisten zur Kasse hinbeugen muss, dass ich beinahe umfiele, stützte ich mich nicht mit den Händen ab. Draußen steigen wir in einen Bus und ich würde gerne filmen, wie er durch die nächtlichen Straßen zu fliegen scheint.

- Für ihren Freund sucht M. einen asiatischen Film mit viel Blut. Bei HMV am Piccadilly Circus kauft sie Ichi the Killer.

- Auf dem Camden Market steht ein beleibter Mann in einem roten Kostüm, läutet eine Glocke und kündet die Tatsache des stattfindenden Marktes mit zurückgelehntem Kopf laut rufend dem Himmel. Um ihn herum flirrt die Luft mit Gerüchen. Es dampft und kocht und ruft von allen Seiten. Musik dröhnt. Alles sehr karibisch. Im Qualm der Feuerstellen wiegen sich die Schals und Tücher der Händler an den Ständen. What do you know about the Illuminati? steht auf einem Schild.

- Am Stansted Airport gegen Mitternacht: Ein Meer schlafender Menschen, zusammengekauert in diversen Ecken, unter den Tischen geschlossener Cafés. Auf einem Flughafen, dessen Licht gedämpft scheint. Fast mitfühlende Atmosphäre. Wir suchen uns einen Platz am Boden. M. und J. reden kurz mit den Italienern neben uns, die auf der Reise von Kopenhagen nach Mailand einen Stop in London einlegen. Als wir uns hinzulegen versuchen, sind meine Begleiterinnen amüsiert, wie schwer mir das fällt. Ob ich denn nie auf einem Festival gewesen sei, fragt M. Ich denke an die CDs in meiner Tasche und daran, dass ich ja noch nicht einmal zelten war.

Posted by Janis at 15:35 | Comments (0) | TrackBack

13.10.04

Spontan angesprochen gefühlt

crimson.jpg

Posted by Janis at 16:08 | Comments (1) | TrackBack

12.10.04

weg

Ab Freitag in London. Über Bahn und Bus mitten in der Nacht nach Berlin, dann lange, wirklich lange warten / schlafen / lesen / reden, in den RyanAir-Flieger nach Stansted und dann wieder mit der Bahn irgendwie nach London. Nicht die bequemste Art zu reisen, aber eine, die das Schöne am Reisen (eben warten / schlafen / lesen / reden ergänzt um schauen / hören / beobachten / weilen / ablichten) mit ihren großen Zeitspannen sehr möglich macht.
Wie war das noch: Transsib, Tee und Tolstoi? Na ja. Fast.

Posted by Janis at 18:12 | Comments (3) | TrackBack

10.10.04

Über einen längeren Zeitraum,

gegenüber quasi-"Fans" (denen man auch noch persönlich sehr zugetan ist) vehement gegen den Untergang anzukämpfen und dabei angesehen zu werden, als hätte man gerade sämtliche Lebensentwürfe der in der Runde sitzenden reihum als Humbug abgetan, ist keine dankbare Aufgabe.

Posted by Janis at 17:22 | Comments (0) | TrackBack

An dem Abend,

an dem ich viel später erfahre, dass nun Jacques Derrida gestorben ist, sitze ich auf der Geburtstagsfeier einer Freundin an einem rot gedeckten Esstisch, und denke daran, dass wir ja doch alle älter geworden sind.

Posted by Janis at 04:13 | Comments (0) | TrackBack

09.10.04

08.10.04

Norddeutschland vor Braunschweig:

Kartoffeläcker in der Herbstsonne, kleine Kirchen, Zuckerfabriken, die all die Rüben schlucken, manchmal eine Allee.

Sehr schön, sehr genau, schon ein paar Tage alt: MH über eine Berlin-Reise.
Kartoffeläcker sind überhaupt ganz prägend für das Bild hier "rundherum". Genauso wie die Wege dazwischen: Quasi die Definition vom Wort "Weg" überhaupt. Im Winter sieht es auf Schubert'sche Weise trist aus. Trist wie aus dem Bilderbuch.

Posted by Janis at 23:50 | Comments (0) | TrackBack

Angefangen,

Karmakars Das Himmler-Projekt zu sehen. Noch nicht ganz durch, aber an der Stelle, an der Zapatka sich zwei, dreimal verliest, wieder ansetzt und kommentierend meint "Noch einen Versuch, dann breche ich ab", während man im Hintergrund ein leises Lachen (Karmakar?) hört, da empfand ich als in einem Augenblick zusammengefasst welche intellektuellen Lichtjahre zwischen einem Karmakar und einem Eichinger liegen. Und: Dass es doch geht - mit "deutschem Film" und "unserer Vergangenheit".

Posted by Janis at 21:09 | Comments (0) | TrackBack

07.10.04

Schon fraglich,

wie lange wohl die Stockholmer Akademie der Wissenschaften an diesem zehn, zwöf Worte langen Jelinek-Ehrerbietungssatz mit "Musik" und "Stimmen und Gegenstimmen" gebastelt hat.
Mag auch daran liegen, dass ich den heute erst fünfmal gehört / gesehen habe. Genau wie Karaseks kommentierendes Gesicht vor Buchmessenhintergrund. Nun gut, immer noch besser als Schirrmacher und "Ich-könnte-an-100-andere-denken"-Markwort. Die habe ich heute (bislang) erst einmal zu Jelinek sabbeln gehört und, mit Verlaub, das hat auch gereicht.

Posted by Janis at 22:44 | Comments (0) | TrackBack

So Sachen,

wie Kerners Leseshow, bringen mich immer wieder zurück auf die Unschuld des Radios.
Natürlicher Schwachsinnsfilter. Fast zumindest.

Posted by Janis at 00:36 | Comments (2) | TrackBack

06.10.04

Welch glücklich' Fügung,

dass Wongs 2046 just an jenem Tag in England anläuft, an dem ich in London ankomme.
Hätte vielleicht gar nicht daran gedacht, wäre nicht gerade im filmtagebuch so schön auf diese hinreißenden Poster zum Film verwiesen worden.
Wie's einem doch gleich ganz wohlig wird.

Posted by Janis at 16:45 | Comments (0) | TrackBack

05.10.04

Int. Filmfest Braunschweig 2004:

Comme une image (Agnès Jaoui, 2004)
House of Flying Daggers (Yimou Zhang, 2004)
Melinda and Melinda (Woody Allen, 2004)
La Grande séduction (Jean-François Pouliot, 2003)
Confidences trop intimes (Patrice Leconte, 2004)
Buongiorno, notte (Marco Bellocchio, 2003)
Garden State (Zach Braff, 2004)
L.A. Twister (Sven Pape, 2004)
+ aktuelles koreanisches Kino mit acht Filmen (u.a. Ki-duk Kims Samaria)
+ neues deutsches Kino unbekannter Regisseure
+ Musik und Film: Zbigniew Preisner (Filme von Kieslowski und Malle werden entsprechend gezeigt)
+ Dreyers La Passion de Jeanne d'Arc mit Live-Musik

Eine schöne Zeit also vom 9. bis 14. November.

Posted by Janis at 11:08 | Comments (1) | TrackBack

04.10.04

Ganz und gar famos

Diese "Photoreportage" von erratika [via jump cut]!
Kurz überlegt, ob ich das vielleicht so oder so ähnlich auch machen könnte, wenn ich Mitte des Monats (schon) wieder in London bin. Ich würde den (hier wie auch bei Knörers toller Berlin-ABC-Reise natürlich herrlich gelungenen) "Wandercharakter" eventuell herauslassen und einfach - wo auch immer ich gerade bin - an einem Tag alle 15 or so Minuten ein Photo machen. Das ließe sich bestimmt machen. Das stört da keinen. Mal sehen.

Posted by Janis at 17:20 | Comments (0) | TrackBack

02.10.04

mexed

missages

Posted by Janis at 19:45 | Comments (2) | TrackBack

Philosophieren heißt...

sterben lernen: In einem Interview in der neuesten Ausgabe meines Lieblingsmagazins Lettre erzählt Jacques Derrida, obwohl er das eigentlich so gar nicht will, viel über diesen alten Satz. Und es lässt wahrlich nicht unberührt, wenn er letztlich ganz leise auch von seiner eigenen Angst schreibt; davon, dass zu sterben er eigentlich noch nicht gelernt habe.
Überschrift des Artikels: Das Leben, das Überleben.

Posted by Janis at 11:58 | Comments (1) | TrackBack