30.01.05

Bouncer

Daniel Müller photographiert Türsteher auf St. Pauli und "York" hat ja wohl eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit Heeresmusikkorps-Leiter Münchner-Philharmoniker-Chefdirigent Christian Thielemann.

Posted by Janis at 11:57 | Comments (0) | TrackBack

25.01.05

Walter Benjamin über... Suppe

Borscht

Zuerst legt er eine Dampfmaske über deine Züge. Lange, ehe deine Zunge den Löffel netzt, tränen schon deine Augen, triefen schon deine Nüstern von Borscht. Lange, ehe deine Eingeweide aufhorchen und dein Blut eine Woge ist, die mit der duftenden Gischt deinen Leib überspült, haben deine Augen schon von dem roten Überfluß dieses Tellers getrunken. Nun sind sie blind für alles, was nicht der Borscht ist oder dessen Widerschein in den Augen der Tischgenossin. Das ist Schmant, denkst du, was dieser Suppe ihren sämigen Schmelz gibt. Vielleicht. Aber ich habe sie im Moskauer Winter gegessen, und da weiß ich das eine: Schnee ist drinnen, geschmolzene rötliche Flocken, Wolkenkost von der Gattung des Manna, der ja auch eines Tages von oben herunterkam. Und wie lockert der warme Guß nicht die Krume Fleisches, daß es wie ein Sturzacker in dir daliegt, aus dem du das Kräutlein "Trauer" leicht mit der Wurzel jätest. Laß den Wodka daneben nur unberührt, schneide die Piroggen nicht an. Dann wirst du das Geheimnis der Suppe erfahren, die als einzige unter den Speisen die Gabe hat, sanft zu sättigen, allmählich dich zu durchdringen, wo über andern plötzlich ein barsches "Genug" unfreundlich deinen ganzen Körper erschüttert.

(aus: Denkbilder, Suhrkamp, S. 78)

Posted by Janis at 15:21 | Comments (1) | TrackBack

23.01.05

Beim Blick aus dem Fenster...

den "City Night Express" wohl auf dem Weg nach Paris Nord gesehen: nachtblaue Wagen, ein großer goldener und sehr klassisch anmutender Sichelmond mit menschlichem Gesicht prangt auf einem Wagon, pausbäckig und schlafend. Durch die Fenster sieht man die Tischlampen der Schlafwagen und Reisende, die in ein paar Stunden in Paris sein werden und nun in ihren Sitzen dahindämmern. In der Dunkelheit sitzt ein einzelner alter Mann auf dem Bahnsteig in einem grell-weiß erleuchteten Glashäuschen, das wirkt, als sei alles darin giftig oder gefährlich, weil rundherum Panels mit rot und grün leuchtenden Schaltern sind, mit denen man wohl die umgebenden Türen öffnen kann. Er trägt einen dunkelgrünen Mantel, hat seinen wagenartigen Ziehkoffer vor den Füßen, den Hut tief ins Gesicht gezogen und schläft ebenfalls.
Viel gemütliche Müdigkeit hier also. Viel Schlafendes, um zehn nach zwölf auf dem nun gemächlichen Hauptbahnhof in Hannover.

Posted by Janis at 01:47 | Comments (0) | TrackBack

19.01.05

große filme, mitgewaschen(*)

ticket001k.jpg

(*) note to self: könnte man mal eine kleine Serie draus machen. Unterschiedliche Tickets... unterschiedliche Hemden, Hosen usw.

Posted by Janis at 18:39 | Comments (2) | TrackBack

16.01.05

Hommage

Ich weiß nicht genau, was es ist, das mich an der Stimme von Fritz Wunderlich zu Tränen zu rühren vermag. Ich glaube nicht, dass es die Lieder sind, die er sang, von Schumann und Schubert, die zwar fraglos zum Schönsten gehören, was je komponiert wurde, die ich aber auch auswendig kenne. Vielmehr scheint es mir die Art zu sein, wie er mit seinem Tremolo einen Ton zu umflackern verstand, wie sein säuselnder, vermatteter Tenor so tief menschlich, so leidend klang, wie weich er das "r" rollen ließ, wie seine Stimme immer erschien, als käme sie so ein bisschen aus der Ferne, aus einem geheimnisvollen Nebenzimmer. Der Glanz eines beschlagenen Metalls - faszinierender, wundersamer, durchlittener als das vollendet reine.
Ich denke, man sollte nicht aus dieser Welt gehen, ohne wenigstens einmal eine Aufnahme von Fritz Wunderlich gehört zu haben.

Posted by Janis at 02:26 | Comments (0) | TrackBack

14.01.05

2046

die kamera, die ein bild verlässt, das schließt mit dem tisch, einem eindrittelvollen glas darauf und einer frauenhand daneben, mündend, nach der weichesten fahrt nacht rechts im dunkeln. zhang ziyi, die eine tür öffnet und erwartung ist. der blick aus dem zug, das an das glas gepresste gesicht, das umdrehen der spielkarten, die hände, die sich einmal in schwarzweiß, betrunken im taxi ineinander fügen, später (nach allem, was dazwischen liegen kann) im verzweifelten händedruck auseinander reißen, der schwarze handschuh, im gehen wippend an ihr, ihr, ihr, [so viele tränen, so viel rauch], die füße, die über den boden gleiten, japanischkurs dazu und elektrische ladungen unter den sohlen, die neonreklame des hotels, die frauen daneben, immer rauchend, der himmel einmal, gelb und blau, einmal auch das meer, aber nur vielleicht, ein bild jedenfalls, das das meer hätte gewesen sein können, zhangs erste träne, wenn sie erzählt, singapur, ob es da warm sei, das flüchtige wegwischen bloß des kleinen tropfens, unten, am übergang vom gesicht zum hals, dieses schwarz, dieses rot.
so gestaunt.

Posted by Janis at 23:24 | Comments (6) | TrackBack

11.01.05

Wie sollte man beschreiben wollen,

wie großartig und be(d)rückend schön die aktuelle Serie mit Amerika-Photos auf relatin' dudes to jazz ist?
Große Kunst.

Posted by Janis at 21:08 | Comments (0) | TrackBack

10.01.05

Maßlos

Mir scheint, gute Horrorfilme brauchen ein Maß. So denn ihre Intention noch der eigentliche horror (als Schaudern) sein sollte, verfehlen sie durch Maßlosigkeit ihr Ziel, weil zumindest der real horror durchaus mit Furcht und Mitleid arbeitet. Maßlosigkeit nicht in Bezug auf die Darstellung von Gewalt etc., sondern in Bezug auf den Grad an letztlicher Vernichtung, markiert beim Betrachter den Übergang vom sinnlich-primitiven Fürchten zum Reflektieren - und beim Film vom Horror zur Groteske. Nur, wenn wenigstens ein kleiner Strahl von Maß, von Nicht-Beliebigkeit durch den Film geht, kann man "mitgehen". Jedoch fürchtet es sich schlecht vor der Explosion der Sonne.
Vor zwei Tagen das Dawn of the Dead-Remake angeschaut.

Posted by Janis at 02:02 | Comments (0) | TrackBack

06.01.05

05.01.05

Da gibt es eine....

kleine Anekdote, die sich in unserer Familie hier und da über Heinrich Schirmbeck (demnächst 90) erzählt wird. Und zwar die, dass mein Großvater, der mit dem Schriftsteller aus Studienzeiten gut befreundet war, ihn eines Tages zusammen mit meiner Mutter vom Bahnhof abholte, und Schirmbeck in seinem schrulligen Äußeren auf Umstehende wirkte, als sei er ein komplett "verarmter" Verwandter. Meine Oma wird zudem nie müde, zu rekapitulieren, wie er bisweilen eine Banane und einen Joghurt trotz Gepäcks in der Hand tragend mitgebracht haben soll...
Darüber zu schreiben, fiel mir nur so ein, als meine Oma heute beim Blick in die Zeitung meinte: "Mensch, der Schirmbeck, der lebt... und wird bald 90!"

Posted by Janis at 06:55 | Comments (0) | TrackBack

04.01.05

Blog-Hinweis

sauseschritt.
Aus Wien, wenn ich das richtig sehe, und ausgesprochen schön. Sehr weltenbummlerisch.

Posted by Janis at 03:03 | Comments (0) | TrackBack

02.01.05