26.02.05

3,6 Erden.

Ziemlich viel, zugegeben.

Posted by Janis at 14:25 | Comments (1)

find a better phrase for:

bizarre felsformationen.

Posted by Janis at 14:21 | Comments (1)

23.02.05

im theater: Igor Bauersima, 69

Schon nach fünf oder zehn Minuten merkt man J. neben mir an, dass sie jetzt eigentlich weg will und das alles ziemlich peinlich findet: Auf der winzigen Probebühne unseres Staatstheaters steht eine Frau im Hosenanzug auf einem erhöhten Gitterplateau und macht an Tai Chi erinnernde Bewegungen während sie - von einem Polizisten verhört - beteuert, einen nicht näher benannten Mann nicht auf dessen Wunsch hin gefressen zu haben, wenngleich auch eine ihr ähnliche Stimme auf dem Videotape von der Tat zu hören sei. Der Polizist, hier noch eine reine Katalysationsfigur, wird zum Stichwortgeber für einen moralischen Diskurs: Wie weit darf die Freiheit des Menschen gehen, darf sich schlachten und fressen lassen, wer dies im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte verlangt, wem gehört der Körper, welche Aufgabe kommt der Gesellschaft und deren Moral in Bezug auf die Selbstbestimmtheit des Individuums zuteil? Ein Lehrstück also, denkt man zunächst. Dann aber: Licht aus, etwas Musik und die beiden Darsteller kommen zurück auf die Bühne, jetzt in ihren Rollen verschoben: Sie ist die kannibalistische "Verführerin" im Internet, er der Angelockte.
"Ich will in dir sein", sagt er, "will dir zeigen, dass ich es wert bin. Will gefressen werden."
Eine Szene, die dunkel ist, sehr dunkel. Verstärkt durch die Headsets, die im blauen Licht einen dumpfen Hall über die Stimmen der Darsteller legen. Auf einmal ist man für einige Momente mit Ernsthaftigkeit in den Netzhinterhöfen angelangt, weitab vom lächerlichen Verweis des ersten Teiles auf eine Website namens eatme.com, auf der die Angeklagte gesurft haben soll. Sie einigen sich: Sie soll ihn fressen, wenn er ihr gefällt. Denn sie ist wählerisch und sucht nur einen ganz bestimmten Mann. Licht wieder aus, wieder Musik, dritter Teil. Jetzt sind wir fast bei Beckett angelangt: Das "Paar" betritt mit Videokamera und Picknick-Korb die Bühne, sie albern herum, er zieht seinen Pullover aus, macht sich mit Ketchup rote Punkte auf die nackte Brust, reckt die Arme in die Höhe und lässt seinen Körper so abschlaffen, dass er nun aussieht wie der Heilige Sebastian nach seiner Hinrichtung. J. findet das jetzt wohl nur noch fürchterlich: Sie filmt ihn mit der Kamera, stößt ihren Körper gegen seinen und lässt ihn dabei schreien "Friss mich, frisss mich, friss mich". Der psychologische Teil des Stückes hat begonnen. Ein Spiel wird ausgefaltet, bei dem er so lange zählen darf, bis er sich verzählt, dann frisst sie ihn tatsächlich. Die Regeln werden eruiert: Ob eine nicht gezählte, aber erwähnte Zahl ebenfalls dazu gerechnet wird, etc. Nun soll er von sich berichten, von seiner ersten Freundin, seiner Arbeit, seiner Kindheit und Jugend. Immer habe er die "Mitte" betrachtet, sagt er, als Angestellter am Amt für Statistik, dann aber seien die "Ränder" interessant geworden. Da war viel Pfusch in seinem Leben, viel abendländische Ratio, viel Indoktrination. Für einen Moment wird ein Gedanke geboren, mit dem das Stück selbst scheinbar nicht so recht umzugehen weiß: Wer eine derart "freie" Radikalität der Lust (er sagt: "Ich will einen langsamen, schmerzvollen Tod, weil es mich erregt.") entwickelt, dass er sich "fressen" lassen will, war, ist und wird eigentlich nie frei sein. Er ist - als überdrüssige Durchschnittsexistenz - in die Radikalität geworfen und es ist nichts Freies, sondern nur Trauriges an diesem, der Liebe, Erfüllung und Freiheit nur noch in den Verdauungsorganen des Gegenübers zu finden meint.
Ich bin nicht sicher, ob das ein großer Gedanke ist, oder einer, der bloß den Wahnsinn attestiert. Am Ende jedenfalls, wenn er bereit ist, in den Tod zu gehen, steht - trotz gewisser Offenheit und der (so lese ich im Internet) gewollten Möglichkeit, die drei Teile des Stückes auch in einer anderen Reihenfolge aufzuführen - eine zynische Note: Sie frisst ihn wohl nicht, hatte das auch nicht vor. Koordinaten abstecken, darum ging es. Zu sehen, was geht. Ein europäischer, ein abendländischer Schluss irgendwo. Kein Mythos, kein leuchtender Akt, keine "obszöne" Bedingungslosigkeit, keine antizivilisatorische Barbarei. J. findet das alles so "gewollt und bemüht, dass es ganz schnell wieder oberflächlich wird." Ich sage, es habe mir in Ansätzen gefallen. Aber desto mehr ich daran denke, desto reizvoller erscheint es mir.

p.s. (und gar nichts mit dem "scriptum" zu schaffen): Ab jetzt hier nur noch Blocksatz. Diese ausgefranste Linksbündigkeit ist ja bei längeren Texten kaum zu ertragen.

Posted by Janis at 23:42 | Comments (1)

22.02.05

"Sagen Sie, bleibt das hier vorne alles so leer?",

fragt der freundliche ältere Herr, der im Konzert neben uns sitzt.
"Kann ich Ihnen nicht genau sagen", antworte ich.
"Ach, Sie sind also nicht häufiger hier?", fragt / sagt er fast vorwurfsvoll und ich finde diesen Umschwank ins Erzählen-Sie-doch-mal-was-von-sich-wo-wir-schon-nebeneinander-sitzen, den er damit ansatzweise einschlägt, direkt etwas unangenehm.
"Doch, wir sind häufiger hier", sage ich, "nur ist es bisweilen so, dass es leer bleibt und manchmal füllt es sich kurz vor Beginn noch. Liegt am Programm."
"Gut, dann setze ich mich einen Platz weiter."
Im ersten Satz vom zweiten Cello-Konzert von Schostakowitsch nun setzt er sich weitere drei Plätze nach links und damit wie vorsorglich in Richtung Ausgang, bevor er dann im zweiten Satz aufsteht und geht. Diese Art, mit der er sein missgünstiges Verlassen des Saales quasi ankündigte, indem er noch während der Musik die Nähe zum Ausgang suchte, und die Vorstellung, wie es dann in dieser finster-sarkastischen Musik irgendwo einen Moment gegeben haben muss, wo er sich dachte "Also nein, jetzt ist aber gut", finde ich schon wieder regelrecht charmant.

Posted by Janis at 23:10 | Comments (1)

21.02.05

Dass eine...

zugebenermaßen wirklich ganz billige chinesische DVD von eBay (zu Chris Markers Le Joli Mai) nun schon unmittelbar mit dem Entfernen aus der Hülle entzwei (und das wirklich wörtlich zu begreifen!) bricht, war mir bis eben auch noch nicht untergekommen...

Posted by Janis at 16:32 | Comments (1)

20.02.05

Zwei, drei Tage...

ohne Fernsehen, Zeitungen und Internet nicht daheim gewesen und man verpasst ja doch so einiges: Den Goldenen Bären auf der Berlinale hat ein Film gewonnen, über den ich fast nur in (sich zumeist über die vermeintliche "Exotik" dieses Films (und seines Titels) dümmlich lustigmachenden) Randnotizen gelesen hatte, mein Verein wird in München zerschossen (gut, das wusste ich, weil ein lieber Freund mir mit jedem Tor eine hohnvolle SMS schickte) und die NPD hatte bei den Landtagswahlen in Schl.-Hol. keine Chance (was natürlich schön und auch wieder dringend nötig war).
Dafür lag da, wo ich war, Schnee. Meterhoch, zusammengekehrt an den Straßenrändern. Ein Dorf im Harz, das sich auf mehreren Ebenen an den Berghang kauerte. Jede Häuserreihe separiert durch einen weißen Schneeberg. Das und ein Bekannter, der schonmal "Mongolen" und "Klingonen" verwechselt, und seinen Zivildienst bei einer Fösterei (oder so) macht und mir lange, ausführlich und ohne Aussparung von Details vom Wesen der Jagd berichtet: Strecken (aus: "Ich habe sie gestreckt"), Fangschuss, Sauenfeder (Sie wollen gar nicht wissen, was das ist). Am Wegesrand viel "Einzelhandelspoesie" entdeckt, für die man eine Kamera dabei hätte haben sollen. Dinge wie: "Der beste Imbiss mit Kamin von hier bis nach Berlin." Wenn das nicht zieht, dann gar nichts mehr...

Posted by Janis at 20:49 | Comments (2)

16.02.05

One day at school then...

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Posted by Janis at 19:55 | Comments (12)

14.02.05

schubert, op. 103, d. 940

ringt ständig mit dem bogen, den es schlagen will sollte, könnte. natürlich findet es ihn zum schluss, aber wie es in den fast 20 minuten, die dazwischen liegen, immer wieder zu zerbrechen droht, an allem, was es ja gerade verknüpfen will, ist kaum in worte zu fassen. manchmal gibt es keine steigerungsmöglichkeiten mehr. dann setzt jenes überirdische kleine anfangsmotiv wieder ein, als sei noch einmal von vorne zu beginnen. mal hellt schubert die beschließenden töne des motivs auf, mal verfinstert er sie. ihre anfängliche, in sich ruhende melancholie, ihre zärtliche einfachheit gewinnen diese akkorde fast nie vollständig zurück: schon ab der ersten wiederholung beginnt die reise des "einsamen wanderers". ab hier gibt es nur noch licht und dunkelheit. was der wanderer am ende findet? einen letzten leisen moll-akkord, im raum stehend, fast ohne "ausklang", unaufgelöst, aber eindeutig. die welt ist eine fantasie für klavier zu vier händen.

Posted by Janis at 20:17 | Comments (1)

13.02.05

Die Berlinale-Blogs...

von jump cut und vom filmtagebuch sind - obwohl den meisten hier wohl sowieso bekannt - natürlich großartig, darauf sei einfach nochmal verwiesen. Mir ja ein Rätsel, wo die beiden Herren die Energie hernehmen, nach der Masse an Filmen, die man auf Festivals allein an einem Tag schon zu Gesicht bekommt, noch derart ausführlich zu berichten.
Ich versuchte das letztes Jahr beim hiesigen Filmfest (hier, hier und hier), welches in Relation zur Berlinale eine Kleinigkeit ist, und kam schon nach drei Tagen beim besten Willen nicht mehr hinterher. Vielleicht muss man da auch einfach besser selektieren...

Posted by Janis at 02:54 | Comments (3)

11.02.05

Was für Leute...

stecken eigentlich hinter den World Press Photo Awards, dass sie jedes Jahr aufs Neue ein Bild prämieren, das daraus besteht, dass ein Photograph endloses Leid elegant und fürchterlich feinsinnig "einrahmt" (die so aufdringlich im Bild beschriebene Reflexion über das Nichtzeigen des toten Körpers finde ich besonders widerlich) und lässig beistehend auf den Auslöser drückt?

Posted by Janis at 18:36 | Comments (1)

09.02.05

Dieses Jahr wohl nicht...

zur Berlinale zu können - weil's alles zeitlich so schlecht liegt, weil's alles so umständlich wäre, weil's sowieso und überhaupt nicht reinpasst - und somit Filme wie Tickets (Loach / Olmi / Kiarostami), The Wayward Cloud (Tsai), The Sun (Sokurov), Gespenster (Petzold), Vers Mathilde (Denis) und vieles mehr zunächst nicht zu Gesicht zu bekommen, stimmt mich jetzt, da es merkbar fast losgeht, doch ein bisschen verdrießlich.

Posted by Janis at 22:46 | Comments (1)

08.02.05

Blogging Abroad

Auf dem Blog Ministry of Propaganda, bei dem ich erst ein, zwei Beiträge überflogen habe, die sich aber auch schon interessant ausnahmen, gibt es eine feine Liste von Weblogs, deren Autoren allesamt aus Ländern berichten, die eigentlich nicht ihre Heimat sind.
Gewiss einige schöne Entdeckungen darunter.

Posted by Janis at 00:20 | Comments (1)

06.02.05

Schon vorbei, aber trotzdem:

GreenCine über das diesjährige Filmfestival Rotterdam.
1. | 2. | 3. | 4. | 5. (mit einem kurzen Verweis auf ein ausgeschlagenes Screening von Miyazakis Howl's Moving Castle, bei dem es überhaupt ganz schade ist, dass er nicht auf der Berlinale läuft)

Posted by Janis at 23:25 | Comments (1)

05.02.05

"Internal Server Error"

Doch noch nicht alles läuft wieder, wie zuvor: Irgendwie hat sich ein Internal Server Error in die Kommentarfunktion eingeschlichen. Das gilt es noch zu beheben.
So langsam wären die jüngsten technischen Probleme dieses Blogs fast schon eine eigene Kategorie wert...

*Update (06-02-05): So, das dürfte jetzt über ein paar weniger elegante Umwege auch geschafft sein. Hoffe ich zumindest...

Posted by Janis at 14:20 | Comments (1)

04.02.05

Ein Traum, ein sehr realer

Geträumt, ich renne wie besessen durch den Außenbereich eines Konzertsaales in der Größe eines Fußballstadions. Ich bin fast zu spät und hier ist alles sehr seltsam: Ein Kultureventmegadings aus Glas und Stahl, dessen Realgrundlage wahrscheinlich mein Besuch neulich in der irreführenden (und Verzeihung: häßlichen) Staatsoper Hannover gewesen sein muss. Ich laufe und weiß nicht, wo ich hin muss. Was wird eigentlich gespielt? Ich ziehe mein Ticket aus der Manteltasche: Mahler, natürlich, die Achte und Kindertotenlieder. Ein seltsames Paar für ein zusammenhängendes Konzert. Klaus Tennstedt dirigiert. Der ist tot seit sieben Jahren, aber in meinem Traum he's still alive and kickin'. Ich soll zur Nordtribüne (Fußballstadion, in der Tat) und schaue an einem etwa zwanzig Meter hohen Wegweiser auf, dessen Schilder in alle Richtungen nur zur Osttribüne zeigen. Wie war das doch mit den Himmelsrichtungen? Ich laufe weiter und komme zu den Toiletten. Zwei übereinander liegende, sich auf Befehl hin drehende Plattformen in riesiger Gestalt, rot und grün, führen ins Innere. Der Höhenunterschied zwischen beiden scheint zu hoch, um ihn zu überwinden. Irgendwie muss man sie aber so drehen können, dass sie wie eine Treppe zu nutzen sind. Ich schlage entschieden auf einen roten ... Hot Button, etwas beginnt sich unter mir zu bewegen und ich falle von der oberen Plattform seitlings auf den Boden. Beim Aufstehen sehe ich ein Schild auf dem steht: Sprengen Sie sich den Weg frei. Ich überlege für zwei Sekunden, dann wasche ich mir die Hände und fange wieder an zu laufen. Ich sehe die Leute, die an mir vorbei in den Saal strömen. Bald ist es leer hier draußen. Zuspät kommende Besucher werden nicht eingelassen. Ich wache auf.

Posted by Janis at 18:50 | Comments (3)

Wieder da.

Alles wieder hergestellt, mit Ausnahme der Trackback-Funktion, die wohl Schuld hatte an der Überlastung des Servers meines Providers. Gelöscht. Hat eh nie jemand benutzt.
Ansonsten: jetzt alles auf MovableType 3.15 und das fühlt sich soweit doch schon ziemlich gut an.

Posted by Janis at 16:01 | Comments (10)