30.03.05

Kriminalliteratur

Ich bin nicht vertraut mit Kriminalliteratur. Aber ich hatte mir irgendwo erhofft, dass meine erste wirkliche Begegnung mit ihr genau so einsetzen würde:

Der Schnapsladen stand am Ende der langgestreckten Front von Neonlichtern, wo der Hollywood Freeway den Sunset Boulevard schneidet, an der Trennlinie zwischen hellen Lichtern und der Dunkelheit der der Wohnbezirke.

(aus: James Ellroy, In der Tiefe der Nacht)

Posted by Janis at 03:36 | Comments (1)

28.03.05

Webloghinweis:

Tibet Travel Photos. Der Herr, der ein ungemein liebenswertes Blog über eine ungemein liebenswerte Stadt führt, reiste vor fast zwanzig Jahren mal nach Tibet. Hier nun endlich Bilder und Kommentare.

Posted by Janis at 16:16 | Comments (3)

27.03.05

The Naked Truth

... about Mole-Rats (heterocephalus glaber).

Posted by Janis at 22:52 | Comments (1)

24.03.05

Er ist der Typ Frisör,

der der beste Freund seiner weiblichen Kundschaft sein will und als sie, der er die Haare mit irgendeinem Färbungsmittel sehr innig massiert, beginnt von ihrer jüngsten gescheiterten Beziehung zu erzählen, geht er - hinter ihr sitzend - mit seiner Nase ganz dicht an ihr Haar. Dann sieht er, dass sie ihn im Spiegel beobachtet und hebt nur kurz die Augenbrauen, als wollte er sagen: "Hey...". Gleich darauf bin ich dran.

Posted by Janis at 17:20 | Comments (1)

23.03.05

Lettre 68

Nichts Näheres, da ich mir die neue Ausgabe erst morgen kaufen werde, sondern lediglich der Verweis: Lettre Nr. 68 ist erschienen. Wie immer sind längere Auszüge der Artikel auch online abrufbar.

Posted by Janis at 23:36 | Comments (1)

22.03.05

Auf dem Markt hier...

steht gestern, bei sehr schönem Wetter, das gleich glücklich macht, eine verstreute Gruppe von Menschen. "Montagsdemonstration" steht tatsächlich auf einem Transparent, das sie bei sich führen. Sie wettern gegen Hartz IV, noch immer, und einer von ihnen hält ein Megaphon, in das er wunderschön altmodische Sätze sagt wie: "Ist jetzt auch egal, ob CDU oder SPD, die gehören doch alle dem Kapital". Ein anderer von ihnen sagt dann wirklich noch: "Bürger von Braunschweig, bleibt stehen und ruft alle 'Nein!'".
Heute ist ganz in der Nähe wieder ein Stand. Kalender mit "Charakterkatzen" werden dort verkauft.

Posted by Janis at 19:33 | Comments (1)

20.03.05

just loud, just stomping, just boring

Was finden nur alle an diesem gelackten Zackzack-Scheitelträger Christian Thielemann? Wenn der Mann wenigstens dirigieren könnte, wäre mir sein teutonisches Gehabe ja fast egal. Was sich dann aber bei etwas mehr als oberflächlichem Hinhören auf den Einspielungen findet, macht wirklich staunen, wie es dieser Protz an alle wichtigen Pulte dieser Welt schaffen konnte. Mehr oder weniger per Zufall (längere Geschichte) bin ich jetzt an seine natürlich wieder vielfach gepriesene Fünfte Bruckner mit den Münchner Philharmonikern (auf Deutsche Grammophon) geraten und so langweilig und regelrecht auf halber Strecke verdurstend habe ich diese bei kluger Herangehensweise strahlend schöne, prachtvolle Symphonie lange nicht mehr gehört. Thielemann hat die Sensibilität und Beweglichkeit eines Mähdreschers. Er stampft und donnert sich durch die Partitur, als wolle er partout beeindrucken und doch wirkt alles so müde, bogenlos und zerschlagen. Wirklich schlimm sind dann Stellen wie jene im (böse schleppenden) Scherzo, wo man sich Thielemann im Geiste auch hervorragend als Leiter einer schon angetrunkenen Marschkapelle imaginieren könnte. Wie gerne gehe ich da zurück zum Beispiel zu Eugen Jochums berühmter alter Live-Aufnahme mit dem Concertgebouw Orchester: Hier fließt alles, spürt man die Vorsicht, mit der Jochum jeden klimaktischen Ausbruch vorzubereiten, logisch zu untermauern sucht. Klare Texturen und leuchtende Motivlinien, die sich durch das Werk schlängeln. Und diese Gespanntheit, diese Geschmeidigkeit und Flexibilität des Tempos, diese Steigerungen und echten Entladungen im dreifachen Forte!
Thielemann rennt dabei jedes Mal wieder weit offene Türen ein. Am Ende scheint dem Münchner Blech im gigantomischen Choral, der die Symphonie beschließt, dann auch noch ein bisschen die Luft auszugehen - zumindest im Vergleich zu den am Schluss durch jede Orchestertextur schneidenden Bläsern des Concertgebouws etwa, die diese enorm anstrengende Partie noch mit größter und vor allem mächtigster Strahlkraft meistern. Der Gedanke daran, dass Thielemann lange Zeit auch als Nachfolger Chaillys beim von mir innig verehrten Concertgebouw im Gespräch war, lässt fast erschaudern.
Ich habe eine Karte für das Thielemann/Münchner-Philharmoniker-Konzert hier im Mai mit der "Alpensinfonie" und dem Violinkonzert von Beethoven. Mittlerweile muss ich doch überlegen, ob ich das wirklich wahrnehmen will...

Posted by Janis at 02:13 | Comments (4)

18.03.05

... fragt sich weiterhin,

warum eigentlich diese schilder mit den gottesdienstzeiten immer direkt am ortseingang stehen.

Posted by Janis at 17:57 | Comments (3)

14.03.05

Beginn einer Novelle. Was mit Karpfen.

Sein Koi-Karpfen sei gestorben, sagt er, und macht mit den Händen eine Bewegung, die andeuten soll, wie gewaltig groß der Fisch gewesen muss. Bei den hohen Januartemperaturen habe er wohl einen Überschuss an Energie gehabt, meint er. Dann in den Zulauf geschwommen, eingeklemmt, und bei den Wetterschwankungen fast erfroren. Noch einige Wochen (lebend) an der Oberfläche mehr oder weniger matt herum getrieben, dann wirklich tot. Begraben, im Plastiksack, den Fisch. Habe mit Stress zu tun, dass die Viecher sterben, sagt er noch, und nippt weiter am zweiten oder dritten Cognac des Abends.

Posted by Janis at 23:57 | Comments (1)

13.03.05

no-go words of politics, war, and globalization (as noted during politik gk)

global governance
happy few
pax americana
global player
checks and balances
agenda 21
undecided six
peace-keeping
NGOs
multis
labels

t.b.c.

Posted by Janis at 12:21 | Comments (1)

12.03.05

10.03.05

poetry

it
takes
a lot of

desperation

dissatisfaction

and disillusion

to
write

a
few
good
poems.

it's not
for
everybody

either to

write
it

or even to

read
it.

- Charles Bukowski

Posted by Janis at 23:28 | Comments (1)

09.03.05

Bach, Matthäus-Passion, J.E. Gardiner, Königslutter

Schon im letzten Jahr hatte ich knapp von John Eliot Gardiners Bach-Aufführung (damals mit der h-moll-Messe) hier in der Region erzählt. Nun also: die Matthäus-Passion, das vielleicht größte Werk aller sakralen Musik, und was zu allererst wundernahm, wenn man am vergangenen Sonntag ein gutes Stück weit im ersten Teil angelangt war, waren gewiss Gardiners Tempi. Im Vorfeld hatte ich noch zu Verwandten und Bekannten gemeint, dass man nicht damit rechnen müsse, sehr viel länger als zweieinhalb, vielleicht zweidreiviertel Stunden (Pause nicht mit einberechnet) im (wie immer lausig kalten) Kaiserdom würde sitzen müssen, denn schließlich dirigiere ja Gardiner, und der ist auf seiner berühmten 88er-Aufnahme bekanntlich durch einige der Arien gehetzt, als ginge es um sein Leben. Nun, allein für den ersten Teil brauchte er am Sonntag rund 80 Minuten, was, um es mal in Relationen zu sehen, zum Beispiel schon fast eine Viertelstunde länger ist als auf der genialen und weitgehend straffen zweiten Aufnahme Philippe Herreweghes und noch immer sechs, sieben Minuten länger als bei Helmuth Rillings eh schon ziemlich langsamer, jedoch wunderbarer Hänssler-Einspielung.
Alles, was dereinst zügig, "entschlackt" und geradezu weltlich-hell daherkam, wurde nun groß, majestätisch, voller Stille und ruhigem Atem. Unfassbar schön dieser Ansatz an vielen Stellen, so etwa in jenem, jeder Beschreibung spottenden Moment im zweiten Teil, wenn der Evangelist vom Verrat des Petrus singt und es über ihn heißt "... und [er] ging hinaus und weinete bitterlich." Als wolle Gardiner hier die Zeit gänzlich anhalten, ließ er den voller Wärme und dennoch mit der Rolle angemessenem, hellen Glanz singenden Mark Padmore das unbegleitete "weinete bitterlich" ziehen bis in die Ewigkeit - eingerahmt von Grabesstille im Dom. Aber nicht nur die Rezitative, sondern auch die von den Mitgliedern des nach wie vor kaum vergleichbaren Monteverdi Choir übernommenen Arien genossen mehr Freiheit, mehr Ausbreitungsmöglichkeiten, als es im "Geschwindigkeitsrausch" der Aufnahme noch der Fall war (wenngleich sich Gardiners sehr genaue Befolgung der historischen Aufführungspraxis vor allem in den Arien wie immer daran zeigte, dass er ein Übermaß an Emotionalität, gar ein Verfallen in sängerische Manierismen oder auch nur ein zu präsentes Vibrato vehement zu vermeiden suchte). Von besonderer Schönheit: Das "Ich will dir mein Herze schenken" (Sopran) des ersten Teils, das in der spürbar freudigen, fast von einem - wenn man das sagen darf - latent erotischen Unterton angehauchten Darbietung einer jungen Sängerin des Chores eine für mich nahezu ideale Interpretation fand, und vor allem auch die Schlussarie für den Bass, jenes sterbensschöne "Mache dich, mein Herze, rein", das ganz die entschlossene, hoffnungsvoll-kräftige, sehr "väterliche" Stimme erhielt, die es benötigt (hören Sie für einen Eindruck von Vollendung da mal Quasthoffs Darbietung auf der Rilling-Aufnahme and this is what music's all about...). Leider kann ich die Altus-Partien in diesem Zusammenhang nicht eingehend beschreiben, da der entsprechende Sänger akustisch wenig ideal zu mir stand.
Die English Baroque Soloists stellten an dem Abend gewiss irgendwo das letzte Wort in Sachen "authentischer Klang" dar, wenn man das denn überhaupt so bewerten kann. Jedenfalls klangen die Oboen (und die Bläser generell) nun endgültig nicht mehr wie heutige Oboen (viel holziger, bisweilen erweitert um einen eigentümlichen, recht großen "Schalltrichter" aus Messing (?) und generell doch etwas weniger flötengleich) und die Streicher hatten gänzlich jenen "rohen", perlenden, etwas kantig angreifenden Klang, den man mit der historischen Aufführungspraxis assoziiert. Gardiner ging durch die Partitur mit der Gelassenheit und Selbstverständlichkeit eines Altmeisters: Keine Show, keine großen Gesten und trotz der langsamen Tempi keine Behäbigkeit, sondern im Gegenteil und trotz der Düsternis und Furchtbarkeit, die der Passion nun einmal immanent ist, mit viel Freude, viel Licht. "Damit sich die Schrift erfülle" - diese Determiniertheit, der "göttliche Plan" schienen stellenweise die eigentliche Traurigkeit quasi "auf Ostern hin" aufzuhellen. Beim Schlusschor ("Wir setzen uns mit Tränen nieder") dann doch noch fast geweint. Da, im kalten, romanischen Kaiserderom.

Posted by Janis at 00:28 | Comments (3)

06.03.05

Great Schmelz

Troy Paivas Website mit zahlreichen Bildern vom Lost America, wie auch sein entsprechender Bildband (mit eigenem Netzauftritt) heißt.

Posted by Janis at 12:33 | Comments (1)

05.03.05

Toscanini, der Krieg und Fidelio

Eine der anrührendsten Anekdoten aus der Geschichte der Aufnahmen klassischer Musik ist für mich die von Arturo Toscanini und seinem NBC-Orchestra, die im Dezember 1944 in Amerika im Studio saßen um den ersten und ein paar Tage später auch den zweiten Akt des Fidelio live für das Radio einzuspielen. "Eingerahmt" wurde die Aufnahme für die Zuhörer an den amerikanischen Radiogeräten natürlich zu jeder vollen Stunde durch die Nachrichten vom alliierten Bombardement und dem Krieg gegen Deutschland.
Es ist fast, als prallten hier "Systeme" aufeinander. Die Nachrichten von der mit dem Krieg einhergehenden, unumgänglichen Vernichtung auch eines Teiles deutscher Kultur von (weit) vor dem Kriege im Zuge der Befreiung von den Nazis und gleich darauf: Fidelio, jenes unvergleichliche Hohelied auf die Freiheit und das Leben, dieses Märchen vom Unmöglichen, in dem ein Trompetensignal eine ausweglos gewordene Situation auflöst. Jener bedingungslose Freudentaumel, geschrieben von einem deutschen Komponisten, dirigiert von einem, der Europa und dessen von ihm gehassten Faschismus schon Jahre zuvor verlassen hatte.
Zur selben Zeit wurde Fidelio auch in Deutschland gespielt - umgedeutet und zerstückelt als Metapher auf die nationalistische "Selbstbefreiung" eines Volkes. Das ist ein Stück Subgeschichte. Oder auch einfach: Das ist Geschichte, endlos verdichtet und verflochten.

Die Toscanini-Aufnahme ist übrigens diese. Leider nicht mehr im Katalog von RCA, wie es aussieht. Laut Adam Fischer, der diese Anekdote jüngst erst wieder zu ganz später Stunde im DLF erzählte, ist sie famos.

Posted by Janis at 18:27 | Comments (1)

01.03.05

Simone Simon verstorben.

simonek.jpg

Das weiß MoC zu berichten. Fünfundneunzig ist sie geworden und ich habe, wenn ich es so bedenke, doch beträchtlich viele Filme mit ihr gesehen, und meine sie eigentlich immer toll gefunden zu haben. Ihre Bewegungen in Cat People, jener teuflisch-schleichende Gang des Zögerns und Windens (Besessenheit / Furcht / Eros), mit dem sie sich durch Tourneurs Schatten- und Lichtwürfe schlängelte, ist mir noch besonders präsent. Ich weiß gar nicht mehr, wo genau sie in La Ronde war, aber das ist sowieso ein Film, an dem alles schön und großartig ist. Scheinbar hat noch kaum jemand sonst in der Presselandschaft ihren Tod registriert. Das mag aber auch daran liegen, dass sie in der Tat aus einer "ganz anderen Zeit" verblieben war. Eine Schauspielerin der französischen Zwischenkriegsphase und der Studio-Ära (als es noch so etwas Wunderbares wie den RKO-Grusel und Produzenten wie Val Lewton gab) eben und auch eine, die nicht immer im Mittelpunkt stand. Dennoch ist zu hoffen, dass das Leben einer Darstellerin, die mit Renoir, Ophüls, Tourneur und Dieterle arbeitete, etwas mehr gewürdigt wird, als es momentan den Anschein hat.
Was mir zum Thema Simon, RKO, Noir etc. außerdem gerade noch einfällt: In Frankreich gibt es gerade von Éditions Montparnasse einige weitere DVDs aus dieser Ära, z.B. Tourneur: Berlin Express, Experiment Perilous, Days of Glory; oder auch von Nic Ray den ganz frühen A Woman's Secret und Flying Leathernecks und auch bei Walsh und von Sternberg sollte man sich umschauen.

Posted by Janis at 00:07 | Comments (10)