28.04.05

Public Domain Movies

[via knoerer furl] Dass auch Filme irgendwann aus dem Urheberrecht herausfallen, ist ja bekannt. Dass man solche aber anstatt sie auf billigst aufgemachten Schrott-DVDs in meist schlechter Qualität zu verkaufen auch einfach zusammenstellen und ganz legal zum kostenlosen Download anbieten könnte, scheint eine bislang noch wenig praktizierte Methode zu sein. Das Internet Archive ("universal access to human knowledge") aber macht genau das und bietet bislang rund 440 Filme zum Download an. Von Griffith bis Sherlock Holmes, von Clip- bis DVD-Qualität. Schon toll.

Posted by Janis at 12:13 | Comments (2)

26.04.05

win a date with

eckart von klaeden

Posted by Janis at 10:54 | Comments (1)

25.04.05

Tarr im Fernsehen

Darauf sei ganz ausdrücklich verwiesen:
ARTE zeigt am kommenden Mittwoch um 22.40 Uhr Die Werckmeisterschen Harmonien von Béla Tarr, bei dem es mich nach wie vor wundert, warum er in Deutschland noch immer nicht die Rezeption zu finden scheint, die ihm seit Jahren von zum Beispiel amerikanischen oder britischen Cinephilen zuteil wird. Wenige im Kino der Gegenwart sind so sui generis, so einsam grandios wie Tarr.
Jonathan Rosenbaum: A Place in the Pantheon - Films by Béla Tarr
Fergus Daly und Maximilian Le Cain: Waiting for the Prince - An Interview with Béla Tarr
Fred Camper: Preserving Disorder - Werckmeister Harmonies

Nachtrag: Drei frühe Filme Béla Tarrs werden im Juni in den USA auf DVD veröffentlicht und zwar Family Nest (1979), The Outsider (1981) und The Prefab People (1982). Damit wäre dann in der Tat ein Großteil der Filme Tarrs auf DVD erhältlich. Auch etwas, was vor ein, zwei Jahren noch nicht denkbar gewesen wäre...

Posted by Janis at 09:51 | Comments (11)

der blistex-stick,

der angeblich nach kräutern und wellness riecht

Posted by Janis at 09:13 | Comments (1)

20.04.05

the alexander kluge style of pronouncing ordinary words

irackk
gasss
isssland
rohbinsohn
attentaaat
kräbbs

Posted by Janis at 23:52 | Comments (2)

19.04.05

Der Papst aus Marktl am Inn

Hätte nicht sein müssen, wirklich nicht: Ratzinger Benedikt XVI ist ohne Zweifel neben all seinem Konservativismus und seiner Knochenhärte ein hochintelligenter Mann und unter den Theologen unserer Zeit einer der scharfsinnigsten und am klarsten argumentierenden (natürlich auch unnachgiebigsten), aber seine Person ist ganz gewiss auch schlichtweg ein Zeichen und zwar eines der einprägendsten, bekanntesten innerhalb der Kirche. Und als solches ist dieses Zeichen vor allem "nach außen hin" natürlich auch ganz bestimmt besetzt, ist sehr präzise konnotiert. Die - vor allem ja auch so klare - Bestätigung eben dieses Ausdrucks, dieser so projizierten Beschaffenheit will mir einfach nicht geheuer erscheinen.
Immerhin stellt er sich mit seinem angenommenen Namen in eine recht anständige Linie: Benedikt XV und Benedikt XIV.

Noch was: Einen drauf für jeden, der jetzt ganz dreckig mit unterstem Lokalpatriotismus anfängt ("Schön, ein Deutscher"; "Ui, toll, einer aus der Ecke von Regensburg"). Aber ganz gehörig.

Posted by Janis at 19:32 | Comments (8)

18.04.05

Wohlige Berechenbarkeit

Die "Urnebel", aus denen ein Gebirge aus Klang entsteht, als seien sie - vielleicht ja durchaus im Sinne ihres tiefreligiösen Schöpfers - der Atem Gottes, die Scherzi, die immer noch einmal von vorne anfangen und diese Adagios, die immer auf einen Punkt zusteuern, an dem die Zeit einen Moment lang still steht, an dem es - je nach Edition - vielleicht dann auch mal einen oder gar zwei Beckenschläge geben darf. Die Anklänge an Wagner, mit denen diese Adagios so oft nach jenem letzten gewaltigsten Ausbruch ausklingen. Die sphärischen, nachtschwarzen Hörner, die dann - wie in der Siebten und Achten - aus der Tiefe emporsteigen (ganz so wie man in der Musik des Rheingold immer hinaufsteigt zu den Göttern Walhals, wenn diese erstmals nach dem Alberich/Rheintöchter-Spiel in die Szenerie treten) und schließlich jene Finalsätze, deren Enden überhaupt gar keinen Effekt kennen, kein Draufsetzen. Die Musik läuft und steigert sich, bis sie mit zwingender Logik reißt, fast abbricht. Immer dieses Gefühl, dass hier alles Grund hat, alles seinen Bezugspunkt, ein feinstes Maßgespür vorliegt. Manchmal als sei die geistige Welt der Kunst der Fuge auf ein Riesenorchester übertragen worden. Es gibt Momente in der Musik Bruckners, da öffnen sich einfach die Himmel.

Posted by Janis at 22:16 | Comments (0)

15.04.05

Frühling

Zufällig am Fenster gestanden und für einen Moment in den der Straße zugewandten Garten geblickt: Zwei kleine Mädchen, vielleicht gerade so dem Grundschulalter entwachsen, laufen unschlüssig und eiligst den kurzen Weg auf und ab, der vom Eingangstor des Gartens zur Haustür führt. Sie tragen diese eckigen, knallbunten Tornister, die in den ersten Klassen jeder hat, sie aber schon spätestens mit dem Schulwechsel für unfassbar anti-lässig und ganz kindisch hält. Jedenfalls laufen die beiden Kinder dort, als wollten sie nicht entdeckt werden und ich wundere mich, worauf sie es abgesehen haben. Als sie einmal mehr wieder am Tor angekommen sind, scheint sich das eine Mädchen wohl ein Herz zu fassen, stürmt auf den Weg zurück und bricht nun tatsächlich in der strahlenden Sonne die rot-goldene Blüte einer der Blumen ab, während ihre Begleiterin plötzlich - mich wohl am Fenster erspähend - aufschreit: "Achtung, da guckt jemand!"
Ich mache reflexartig einen Schritt zurück und sehe noch, wie die beiden davon hetzen. Ein ganz großväterlich-mildes Grinsen durchfährt mich spontan. Verblüfft und amüsiert, gar ein klein wenig angerührt zugleich.

Posted by Janis at 13:34 | Comments (0)

13.04.05

pages 62.1 & 62.2

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sartre2.k.jpg

(Text: Noch einmal neu anfangen zu können... und mit allen Erfahrungen, die man inzwischen gesammelt hat - man hätte vieles zu korrigieren, viel Versäumtes nachzuholen.
Könnte man wenigstens - um eine Goethesche Reflexion zu variieren - alle ungenutzten Stunden wie Geld sparen! Man hätte am Ende eine Menge Zeit und noch ein paar Jahre aus den Zinsen.
PFANDBRIEF UND KOMMUNALOBLIGATION Meistgekaufte deutsche Wertpapiere - hoher Zinsertrag - bei allen Banken und Sparkassen - Verbriefte Sicherheit.

Außerdem: aus Jean-Paul Sartre: Das Spiel ist aus; Rowohlt Verlag; 1975)

Posted by Janis at 00:50 | Comments (2)

10.04.05

Bei aller Liebe...

aber das?!

Posted by Janis at 13:20 | Comments (2)

06.04.05

Swades

Dreieinhalb Stunden Bollywood hier am Freitag in unserem vom hiesigen Filmfest zweiwöchentlich provisorisch eingerichteten "Programmkino": Ashutosh Gowarikers Swades - We, the People. Das letzte Mal, dass wir einen indischen Film dort hatten, war vor zwei oder drei Jahren der großartige Lagaan vom selben Filmemacher und das war damals auch in der Präsentation einfach sehr schön. Wie auch diesmal Swades wurde Lagaan in Zusammenarbeit mit der deutsch-indischen Gesellschaft gezeigt, zahlreiche indische Zuschauer erschienen in traditioneller Kleidung und in der Pause gab es sehr leckeres indisches Essen. Kaum extra erwähnenswert wohl, dass die Atmosphäre im Saal einzigartig war, voller Begeisterung und Ausgelassenheit vor allem Dank des indischen Teils des Publikums, der bei einigen der Cricket-Szenen spontan in Jubel ausbrach. Riesige, geradezu kindliche Vorfreude.

Posted by Janis at 02:27 | Comments (2)

04.04.05

Schubert: Winterreise (Pears / Britten, Decca Legends)

pearsbrittenwinterreisek.jpg

Es scheint schwierig, wirklich großartige Aufnahmen der Winterreise, dieses wohl komplexesten aller Liederzyklen, zu finden. Natürlich, es gibt x Einspielungen von Dietrich Fischer-Dieskau, dem interpretativ sicherlich prägendsten Künstler in der Diskographie des Werkes (hier eine entschuldigende Verbeugung vor Hans Hotter), und viele davon sind beispielhaft (zugegeben sogar: eine "bessere" als seine 1966er-Aufnahme mit Jörg Demus auf DG habe ich noch nicht gehört). Dennoch sind Alternativen immer wünschenswert und gerade mir ging es lange so, dass ich drohte an seinen Versionen der Winterreise "kleben zu bleiben", was schnell den Blick für andere Ansätze verdunkeln kann. Man muss bei diesem Zyklus irgendwo oft gewisse "Kompromisse" machen zwischen interpretativer Einsicht und schlichtweg bewundernswertem Gesang. Beides zusammen findet sich nur selten - auch nicht zur Gänze auf dieser legendären Einspielung, die vom Gramophone-Magazin zu den größten Leistungen der Plattengeschichte gezählt wird (nicht, dass das nun alles bedeute, vor allem nicht beim bekanntlich gerade mit den "eigenen" britischen Interpreten immer sehr enthusiastisch umgehenden Gramophone). Dennoch ist Sir Peter Pears' Aufnahme mit (seinem Lebenspartner) Benjamin Britten am Klavier etwas ganz Besonderes, in der Art, wie man es heute nicht mehr zu hören meint. Ein typisch britisches Kuriosum, wenn man so will: Pears singt in höchst gekünsteltem Deutsch, mit dessen Aussprache er bisweilen auch seine Probleme hat. Gerade das aber gibt seinem "Wanderer" einen Anschein, der vom tragisch-dramatisch in die Finsternis fallenden Ton der deutschen Interpreten entschieden abweicht: Pears' von seiner Geliebten verlassener Held ist hager, aufgeregt und zappelig wie eine umrisshaft angedeutete Comic-Figur, hat Dreck im Gesicht. Das einleitende "Gute Nacht" hatte nie so sehr den Schlag eines unerbittlichen Uhrwerks wie hier und Pears lässt den Sprechfluss zerbrechen, bringt fast die Monotonie eines eingehämmerten Wahnsinnsmantras in Schuberts Noten und Müllers Zeilen:

Es zieht ein Mondenschatten
Als mein Gefährte mit,
Und auf den weißen Matten
Such' ich des Wildes Tritt.

Was soll ich länger weilen,
Daß man mich trieb hinaus?
Laß irre Hunde heulen
Vor ihres Herren Haus;
Die Liebe liebt das Wandern -
Gott hat sie so gemacht -
Von einem zu dem andern.
Fein Liebchen, gute Nacht!

Die romantisch verklärten Passagen ("Lindenbaum" usw.) bekommen vor allem durch die energische Radikalität von Brittens großartiger Begleitung eine seltsame Entrücktheit und Vergänglichkeit: Bei den aufkommenden Stürmen im "Lindenbaum" wird durch Brittens harten Anschlag die Zerschlagung dieses Tagtraumes sofort bildlich, seine Einleitung zu "Auf dem Flusse" ist die beste, eleganteste, die ich je gehört habe. Durch Pears' Helden leuchtet dann später gänzlich der Wahnsinn und keinesfalls die Melancholie, wenn er im berühmten, den Zyklus beschließenden Leiermann im schroffen Stakkato die öffnenden Worte tänzeln lässt: "Drüben hinterm Dorfe steht ein Leiermann." Auch zuvor schon: Die hohen Töne sind jetzt wie Zuckungen, blitzen nervös. Fantastisch, wie Pears durchgehend die Ironie und eingentliche Leere der aufbrausenderen, kräftigenden Stücke des Zyklus' betont. Es mag auch (glückliche) Koinzidenz sein, aber beim letzten solchen Lied, "Mut!", entgleitet ihm seine deutsche Aussprache an einigen Stellen ziemlich und er klingt fast lallend. Genau das sollte der Ton dieses Lieds sein: Eigentlich ist hier nichts mehr zu holen und der verdammte "treue Wanderstab" gibt schon lange keinen Halt mehr, also stolpert er auf die letzten Schritte dieser Reise. Am Ende scheint Pears seine Stimme künstlich zu verengen - es klingt wie ein Schelmengesang. Der Schluss versinkt im Irrsinn, geht glühend unter in einer Art Befreiung. In ihrer ganzen Andersartigkeit wohl die schwärzeste aller Winterreisen.

Posted by Janis at 19:12 | Comments (0)

03.04.05

Sedisvakanz

Ich kann schon verstehen, was vielen Katholiken vor allem aus dem Heimatland Johannes Pauls II. in den letzten Tagen nachgesagt worden ist: Sie haben ihn geliebt, aber sie haben ihm nicht zugehört. Es fällt auch mir zugegebenermaßen schwer, wirklich aufzutrennen zwischen seinem Leben (und Werk) als Kirchenführer und seiner Person - gerade in den letzten Jahren, den letzten Wochen. Mit vielen Entscheidungen und Sichtweisen des Papstes Johannes Paul II. hatte ich (als ein Mitglied dieser Kirche, und damit - in meinem wenig christlich oder gar katholisch geprägten nächsten Umfeld - auch als Teilnehmer vieler Diskussionen, in denen man schonmal nach Sinn und Verstand der jüngsten Verlautbarungen gefragt wird, ganz so, als müsse man das alles nun zu rechtfertigen wissen) naturgemäß meine Mühen und Ärgernisse.
Was aber vor allem dazu führte, dass ich in den letzten Stunden auch geweint habe und einige Momente tiefster, ehrlicher Berührtheit fand, war das Bild des Gläubigen, das Karol Wojtyla gerade in den letzten Tagen repräsentiert hat: Da leidet und stirbt einer im Glauben und tut dies in aller Öffentlichkeit. Mitten hinein in eine Zeit, in der das Sterben vielfach ein ganz unerwünschter Gast des Öffentlichen ist, stößt dort dieses Bild eines alten Mannes, der sich nicht mehr aufrecht halten kann und die Sprache fast ganz verloren hat, und zu dessen letzten Sätzen dennoch und gerade deshalb gehört haben soll: "Fürchtet euch nicht." Ein Mann in einer der "weihevollsten" Positionen, die man sich denken kann, und beim Sprechen sabbert er, bricht öffentlich zusammen und zuletzt verzieht sich sein Gesicht in Schmerzen bei jeder Bewegung. Und all das zählt für ihn nicht, ist überhaupt nicht wichtig, weil er eine Aufgabe hat, die für ihn Berufung ist, und von der man nicht zurücktritt auf die Art, wie man einen Job kündigt. Er nimmt das sehr direkt mit dem biblischen Wort von der das Kreuz tragenden Nachfolge und zeigt damit, dass darin - im Leiden, den letzten Stunden, dem Sterben - nichts Schlimmes ist, dass es ein Teil des Lebens ist, den man mit Zuversicht auf sich nehmen darf, in der Gewissheit, sich in den "besten Händen" zu befinden. "Ich bin heiter, seid ihr es auch", dafür bin ich ihm - ganz für mich - dann doch sehr dankbar.

Posted by Janis at 03:00 | Comments (6)