24.05.05

In den Lesepausen

In "meinem" Abteil im Zug nach Berlin sitzt diese schwäbische Familie, bei deren Unterredungen ich meist beim besten Willen kein Wort verstehe. Die Tochter der Familie ist vielleicht zwei Jahre jünger als ich, trägt ihren Lidschatten in exakt dem Rosa, das auch ihren geringelten Pullover ziert (we don't wanna be cool anymore, we are post-cool) und nölt durchgehend über die Strapazen der Reise. Die Mutter kommt erst später hinzu, zieht dann aber Schuhe und Strümpfe aus und das kommt mir eigentümlicherweise für einen ganz kurzen Moment wie ein vollkommen ungebührlicher Akt vor und jagt gar einen kleinen Schauder durch meine Glieder. Der Vater wiederum drängt sich irgendwann mit der Bildzeitung (wohlmöglich sogar eine ältere Ausgabe, denn auf der Titelseite ist irgendwas mit Bohlen und kein "Beschlossen: Der Untergang von Rot-Grün" oder ähnlich Aufbrausendes) unter dem Arm (ja, wirklich) angestrengten Blickes aus dem Abteil. [Ich glaube ja, die "Bild" ist die einzige Zeitung, die man so tragen würde, aus dem einfachen Grund, weil sie auch die einzige ist, die da bequem hinpasst.] Ganz rechts sitzt dann noch eine andere Mutter mit ihrer vielleicht achtjährigen Tochter, die sich immer, wenn die anderen Sitzenden ihr zum Vorbeigehen Platz machen, sehr wohl erzogen bedankt und ebenso bedachtvoll entschuldigt, sollte sie doch einmal jemanden anstoßen. [Wie spießig ich doch sein kann. Wie verlogen ich meine Tasche eng auf den Knien halte. Wie geschäftig ich so aussehen muss. Wie lächerlich ich mich mit dem millionenfach gefalteten Falk-Berlinstadtplan abmühe, nicht wagend, ihn zu öffnen, aus Angst, er würde dann nicht mehr in meine Tasche passen, die zweckentfremdet ist und billig war und riecht wie die Polyester-Textilien in einem Sportgeschäft.]

Posted by Janis at 23:29 | Comments (0)

Ab jetzt wieder bis September / Oktober

Schattenkabinett
Kompetenzteam
Superminister

Posted by Janis at 22:51 | Comments (0)

23.05.05

Wenn Politik heute noch eine etwas großtuerischere Sache wäre,

dann hätte meine Vorstellung davon, wie Müntefering und Schröder seit 15:00 Uhr gestern allein in einem verrauchten, halbdunklen Zimmer des Kanzleramts saßen vielleicht doch noch auf halbem Wege mit der Wirklichkeit zu tun: Wie sie einsame Männer-Machtgespräche führten und über allem so eine "Das war's dann wohl"-Atmosphäre liegt. Wie Schröder dann aufsteht, am Tisch entlang geht und dabei seine Hand aufliegen, sie kurz über das Holz gleiten lässt. Das in Großaufnahme. Wie in diesen blöden Guido-Knopp-"Adenauer-bei-vertraulichen-Gesprächen"-Szenen. Eine dunkelblaue Maßanzug-Ikonographie des wirklich Wichtigen.

Posted by Janis at 01:57 | Comments (0)

20.05.05

Nun also doch

Entgegen aller Erwartungen plötzlich dann doch schon gestern in Star Wars gesessen (S. hatte Freikarten). Vielleicht bin ich ja inzwischen leichte Beute für derartige Filme, weil ich mich momentan vom Kino (und dieser Film ist ja sowas von Kino) so relativ zurückhalte, aber an Star Wars III, das glaube ich sagen zu können, ist beileibe nicht alles verkehrt. Was ich spontan (auch wenn's zugegebenermaßen marginal sein mag) wunderschön fand, war der Umgang mit der im Grunde ja permanenten Musikuntermalung, die hier wirklich mal kommentierend und ergänzend, fast schon erzählend auftritt. Williams' ohnehin stark motivbetonte (und darin dann wirklich annähernd Wagnersche) Komposition hat ihre schönsten Momente im Zusammenhang mit dem Vader-Motiv, das in Variationen auftritt, gebrochen wird und irgendwann natürlich (ganz Oper) aufstrahlt. Der eigentliche Film: Nun, er ist kein Kinderfilm mehr, wie Episode I und II es waren, sondern dunkel, zackig, schnell und ohne Überflüssiges (beeindruckend: die relative Nüchternheit des Endes) aneinandergeschnitten und überraschend politisch. Aber das haben Sie natürlich woanders schon besser und umfassender gelesen: Ich bin kein großer Fan und werde auch keiner mehr. Aber in einem Star Wars-Film mal so etwas wie halbwegs Einleuchtendes (oder wenigstens und vielleicht sogar noch besser: das Bemühen um das "Einleuchtende" im eben gerade Unscharfen) für die Entwicklung hin zum absolut Bösen zu finden, war schon recht angenehm.

Posted by Janis at 16:20 | Comments (2)

17.05.05

m'styih-SLAF rahss-trah-PAW-vihch

The Pronouncing Dictionary of Music and Musicians

Posted by Janis at 01:24 | Comments (0)

14.05.05

Doch noch Star Wars hier: Revenge of the Gibichungen

Vader und Hunding? Han & Leia und Tristan & Isolde? Leia und Brünnhilde?
Na, nicht ganz, aber unsere Lieblings-Wagner-Seite (irgendwann schonmal hier oder im Furl verlinkt) findet zumindest manch Parallele.

Posted by Janis at 18:02 | Comments (0)

Bei all meiner derzeitigen

verhältnismäßigen Kinoabgewandtheit trat erfreulicherweise gestern gegen Abend doch noch ein Gefühl ein, das ich als sehr wohlig empfand: Der erstaunlich klare Gedanke daran, für Last Days umgehend alles stehen- und liegenlassen zu wollen, während ich für Star Wars III (bei dem ich bis eben nicht einmal wusste, wann er denn nun genau anläuft) doch nur mit Mühe aus dem Sessel kommen werde. Unter den amerikanischen Sommer-Blockbustern jedenfalls finde ich Batman Begins, Sin City und Charlie and the Chocolate Factory im voraus noch um Längen reizvoller. Filme, bei denen ich glatt wieder sagen könnte, ich freue mich auf sie.

Posted by Janis at 11:24 | Comments (1)

10.05.05

Zwischen den Festen / Sentimentsgeblubber

Jetzt, wo ich das Abitur in weiten Teilen hinter mir habe (mündliche Prüfung noch in der nächsten Woche), hoffe ich doch sehr, dass die Aktualisierungen in diesem Blog wieder zahlreicher als zuletzt Einzug halten werden. Überhaupt ist diese Zeit gerade sehr seltsam: Man ist nahezu jeden Abend auf einer anderen Feier, immer in dem eigenwilligen Bewusstsein, dass man manche dieser Leute - besonders natürlich diejenigen, mit denen man auf "privater" Ebene weniger Kontakt hatte - sobald nicht wiedersehen wird. Erstaunlich unsentimental geht es dafür alles zu, aber vielleicht kommt das ja noch, wenn man sich dann wirklich der letzten gemeinsamen Tage nähert. Heute immerhin ein erster Anflug: "Sei doch bitte nach dem Mündlichen mal da und da", sagt einer, der schon seit längerem nicht mehr auf unserer Schule ist, und mit dem ich eigentlich nie ein engeres Verhältnis jenseits eines guten Miteinanders gepflegt hatte, "ich will euch wenigstens alle nochmal sehen", und M. und ich beschließen nun mehr oder minder sicher, im Spätsommer nach und durch Italien zu reisen. Man wird natürlich auch dann nicht aus der Welt sein, wenn man an verschiedenen Orten studieren wird, aber zur Zeit erscheinen mir die Momente schon ein wenig so, als seien sie bereits die erinnerten Vergangenheitsbilder aus der Zukunft. Wir arbeiten gerade durchaus darauf hin, davon einmal möglichst viele zu haben.

Posted by Janis at 02:02 | Comments (0)

06.05.05

Kira Muratova

gehört - wo mir gerade Rosenbaums neuer Artikel über ihr Werk auffällt - auch zu den Gegenwartsfilmemachern, die ich bestimmt zumindest hochspannend fände, hätte ich mal auch nur einen Film von ihnen gesehen. Sonst noch ganz weit oben in der Liste: Eugene Green, Philippe Grandieux und selbst von Raoul Ruiz habe ich - glaube ich zumindest - noch nichts gesehen. Der macht übrigens gerade einen Film über Gustav Klimt - den sehe ich dann.

Posted by Janis at 20:13 | Comments (5)

01.05.05

abi: barthes

Morgen und am Mittwoch die Klausuren in den LKs und anstatt allzu viel in alten Aufzeichnungen oder Iris-Radisch-Texten zu suchen, blättere ich im letzten Schritt der Vorbereitung, die zugegebenermaßen nicht aus vielen Schritten bestand, lieber noch ein wenig in Die Lust am Text oder Das Reich der Zeichen. Überhaupt Roland Barthes: Für mich die Schule des Schauens und Sortierens in unserer Zeit. Diese - wenn auch manchmal nur inszenierte - eindeutige Klarheit seiner Doppelpunktketten, sein Sinn fürs Banale, seine Genauigkeit im Blick, seine Alltagsmythen. Unverändert tiefe Verehrung.

Posted by Janis at 23:48 | Comments (1)