20.06.05

Zacken

Der Hyänenforscher gestern bei Kluge, der mit großer Ernsthaftigkeit und einer gewissen grandezza bis ins kleinste Detail über die Geschlechtsmerkmale von Tüpfelhyänen sprach und dann festhielt, die männlichen Geschlechtsteile seien weniger schön als die der Weibchen, da sie "asymmetrisch aufgebaut" seien.
Kluge: "Was heißt asymmetrisch? In Zacken?"

Posted by Janis at 17:02 | Comments (0)

18.06.05

Winterbottom

Im "Double-Feature" des lokalen Kunstkinos endlich Michael Winterbottoms Code 46 und 9 Songs gesehen. Gefunden, dass Winterbottom eigentlich in keinem der beiden Filme kaum je einen Fuß falsch setzt. Sie laufen auf etwas zu, begnügen sich damit, enden. Und: Shanghai, Shanghai, Shanghai.

Posted by Janis at 00:15 | Comments (0)

14.06.05

to be forest-minded

vs. to be tree-minded

Posted by Janis at 18:28 | Comments (0)

11.06.05

Dieser Tage...

Heute habe ich mir im Stadion hier ein Football-Spiel angesehen. Eigentlich ein Sport, zu dem ich keine nähere Bindung habe, aber T. hatte Karten übrig und ich ging mit. In der Halbzeitpause treffen wir Klaus. Klaus ist der Gärtner von T.s Oma, hat ein kleines Alkoholproblem ("Aber hey, wir haben das doch im Griff und fühlen uns gut dabei.") und sich entsprechend für knapp 50 Euro Getränkemarken gekauft, von denen er für die Umstehenden (uns) bereitwillig Bier spendiert. Dann erzählt Klaus noch von seinen Kumpels, mit denen er jedes Jahr zum Hochseeangeln verreist. Diesmal nach Norwegen. Einer kann nicht mitkommen - Schlaganfall, halbseitig gelähmt, spricht noch immer kaum Verständliches. Das erzählt Klaus so nebenher (ein Satz sticht doch heraus: "Ein Jahr älter als ich, achtundvierzig."), hier am Bierstand, mit dem gleichen latent jovialen Plauderton, mit dem er nach dem Spiel (das zum Ende hin fast noch spannend geworden wäre - in dem Maße, in dem ich Football für spannungsfähig halte) etwas lallend von der Trinkerei, dem Verheiratetsein, dem Fremdgehen sprechen wird. Klaus ist einer von den Menschen, in deren Profilen ein Satz stünde wie "Kann das nicht so zeigen", oder "Hat sich im Grunde arrangiert".
Das Matte an diesen Tagen ist ansonsten eigentlich kaum zu ertragen, aber auch ich bemühe mich, mich zu arrangieren, es "nicht so zu zeigen". Ich gehe früh zu Bett (gleich wieder), werde dann in schöner Regelmäßigkeit nach der ersten Stunde Schlaf von Freunden wachgeklingelt, die natürlich noch unterwegs sind, sich nicht denken können, dass ausgerechnet ich nun schon im Bett liege, dann stehe ich relativ früh auf, so gegen acht oder neun, und wenn J. mir eine Mail geschrieben hat, verbringe ich manchmal Stunden damit, ihr mit einer einigermaßen gescheiten Antwort zu begegnen. Es geht dann oft um Opern, Theaterbesuche, einfach nur Studienpläne, oder darum, wie man die Zeit verlebt. Irgendwann dann bin im Tag gestrandet. Jetzt lese ich wieder viel Philosophie (gerade vor allem Lévinas), ansonsten Arno Schmidt (J. findet, er sei in Schwarze Spiegel ja noch geradewegs "angenehm" zu lesen und sie hat recht) und sogar ein bisschen Thomas Mann, mit dem ich nie viel konnte. Pynchons Gravity's Rainbow trage ich derweil so mit mir herum - von einem Tisch zum anderen. Es aufzuschlagen habe ich bislang noch nicht gewagt.
Ich höre fast nur Kammermusik: Lipattis letztes Rezital vom Besancon-Festival 1950, zwei Monate, bevor ihn die Leukämie endgültig dahinraffte, und dessen Spiel nur noch in einer Sprache aus ganz ruhigem Licht zu kommunizieren schien, in körperlosen Tönen, der rauschhaften Entzückung verschrieben, die es beschert, einen Klang zu produzieren, produzieren zu dürfen (überhaupt so etwas wie Dankbarkeit mit jedem Anschlag: am Ende, statt des letzten Chopin-Walzers, zu dem ihm die Kraft fehlte, spielte er bloß noch einmal Jesu bleibet meine Freude); die Streichquintette von Mozart, die Struktur und gläserne Architektur sind und (natürlich) Schubert, bei dem in einer Person alle Unbegreiflichkeit des Lebens zusammenfließt und als großes, bestialisch-schönes Rätsel mitten ins Gesicht leuchtet. Zeit, wieder schlafen zu gehen.

Posted by Janis at 23:15 | Comments (0)

05.06.05

früh zu bett

eine spinne auf dem gartentisch
die jemand anbrennt
und die liegen bleibt
als stünde sie auf dem kopf
- tot.

die zittrigkeit
am rande
meines leibes
dein flüstern
- immerfort.

Posted by Janis at 22:59 | Comments (1)

02.06.05

sonnenstrand

Heute zurück von der Fahrt des Abitursjahrgangs. Bulgarische Schwarzmeerküste, in einem für Touristen aus dem Boden gestampften Loch, das nur zu bestehen schien aus aneinander gereihten Hotels (fertigen und weniger fertigen), Bars, Supermärkten und Discos. Ein trauriger und zynischer Ort, bei dem es wirkte, als habe man in einem Lexikon für touristische Bedürfnisse nachgeschlagen und sich bemüht, diese möglichst genau umzusetzen. Dabei kommt es zu Irrationen innerhalb der verwendeten "Zeichen", Unstimmigkeiten, wie denen, dass (gerade im Englischen) eine eigentümliche Divergenz herrscht zwischen den bezeichneten Dingen und dem, wodurch sie bezeichnet werden (so zum Beispiel bei einer Disco mit dem Namen "Multiplace", der in seinem forcierten Internationalismus, seiner "Angesagtheit" ganz bizarr wirkt). Zugedeckt aber wird das alles durch den Techno-Beat, der dort von irgendwoher durchgehend durch die Atmosphäre dröhnt, und wie ein beschleunigter Herzschlag den Rhythmus des ganzen Ortes vorzugeben scheint. Dass sich in diese unerträglichen Permanenz natürlich auch immer wieder eine Trägheit eingeschleicht, wird den Veranstaltern hier vielleicht erst in einigen Jahren aufgehen, wenn die höllische Austauschbarkeit der Komponenten dieses Ortes (an dem die Globalisierung ganz und gar manifest geworden ist) endlich auch den Touristen, den alten, tattoowierten Männern mit ihrer rotgebrannten Haut, evident wird.

Posted by Janis at 22:13 | Comments (0)