31.05.06

Man in black and white

Ich bin ihm zweimal begegnet, dem bislang kuriosesten Menschen in meiner Berliner Zeit. Er ist vielleicht so Ende fünfzig, ist ganz in schwarz gekleidet und trägt bei jedem Wetter wie es scheint einen locker um die Schultern geworfenen Schal, einen sehr klassischen Herrenhut und eine daraufgesteckte Sonnenbrille. Ungeniert raucht er auch in der U-Bahn. Wie eine Film-Noir-Figur lässt er den Zigarettenstummel im Mundwinkel wippen.
Er sitzt neben mir in Bahn, als ihn ihn zum ersten Mal antreffe. Eine Frau uns gegenüber sieht er kurz an, dann holt er einen Bleistift aus seiner Jackentasche - so einen schwarz-gelben von Faber, den klassischsten Bleistift dieser Erde. Perfekt angespitzt. Er hält ihn horizontal in die Luft und sagt nur: "Ein Raumschiff. Ein Raumschiff." Dann, der Dame zugewandt: "Aber wissen Sie, ein Bleistift, der riecht nach etwas. Ja. Ein Computer dagegen, riecht nach nichts." Demonstrativ hält er sich den Bleistift unter die Nase. Dann, als der Zug in die Station einfährt, steht er auf und stößt etwas aus, das wie "Geschmacklose Welt!" klingt und macht sich davon. Für einen Moment wirkt es, als würde man einem großen alten Mann des Theaters bei der Arbeit zusehen.

Als ich ihm zum zweiten Mal begegne, das war am vergangenen Freitag, da hatte es in einer Wohnung im Erdgeschoss gebrannt und wir standen auf der Straße, während die Feuerwehr einen älteren Mann aus eben dieser Wohnung befreite (demzufolge, was ich gehört habe, geht es ihm den Umständen entsprechend gut - aus dem Krankenhaus ist er wieder entlassen). Irgendwann drehe ich mich zur Straße um und da steht er wieder vor mir. Angezogen wie bei unserer ersten "Begegnung", diesmal jedoch mit einem kleinen Photoapparat ausgestattet, mit dem er - und ich möchte es schwören: es war kein Augenblick aus diesem Jahrzehnt - hier und da ein paar Bilder macht. Er kommt auf mich zu, fragt, was denn geschehen sei. Ich gebe ihm mit einem Halbsatz Auskunft. Mit Bogart'schem Zynismus meint er dann: "Das erinnert mich immer an einen Gangsterfilm aus den 60er-Jahren. Von Samuel Fuller." - "Welchen?", frage ich. - "Underworld U.S.A. heißt der. Da gibt es eine Szene, da fliegt ein Auto in die Luft und einer meint dann nur: Hey, hast du mal Feuer?", und er hält mir seine fast ganz heruntergebrannte Zigarette hin, lachend.
Wir können wieder ins Haus und während ich meine Wohnung, in die durchs Treppenhaus ebenfalls ein wenig Rauch gestiegen war, lüfte, denke ich darüber nach, welche Geschichte wohl hinter diesem Mann liegt. Vielleicht war er ja mal ein "extra" in einem Fuller-Film. Lange, bevor er zu einer von vielen Skurrilitäten wurde, hier in Berlin-Wedding.

Posted by Janis at 23:20 | Comments (3)

15.05.06

Dialog aus Les Signes von Eugène Green

MOTHER
How do you go about searching?
MAN
You've got to look at the world.
She glances at the street before turning again towards the man.
MOTHER
The world simply passes by.
MAN
It's going somewhere.
MOTHER
And you?
MAN
I follow the world.
MOTHER
Where to?
MAN
I hope it will be where I want go.

Le Pont des Arts war wahrscheinlich das Schönste, was ich letztes Jahr im Kino gesehen habe und vielleicht besteht ja auch Grund zu der Hoffnung, dass man irgendwann einmal Les Signes ansichtig wird, der diese Woche in Cannes läuft.

Posted by Janis at 02:08 | Comments (2)

06.05.06

nachmittag, fu-campus

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Posted by Janis at 09:09 | Comments (5)

02.05.06

Ich sitze...

dort ganz oben in der StaBi, wo die Mathematik und die anderen Naturwissenschaften untergebracht sind und man das Klickern von den Laptop-Tasten aus dem Tal unten nur noch ganz entfernt wahrnimmt. Ich lese zum ersten Mal Die Enden der Parabel für ein Seminar bei Friedrich Kittler, der uns sagt, er müsse eigentlich längst kein Pynchon-Seminar mehr anbieten, hätte aber trotzdem Spaß daran. Ich sitze da und lese und denke: Slothrops Reise durch die Toilette, ja.

Posted by Janis at 22:17 | Comments (18)