12.01.06

"Mild und leise..."

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Birgit Nilsson (1918-2006)
Ihre Stimme, mühelos gleißend über dem im x-fachen Forte daherdonnernden Bayreuther Orchester im Liebestod auf Karl Böhms 66er-"Tristan". Das ist es.

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03.04.05

Sedisvakanz

Ich kann schon verstehen, was vielen Katholiken vor allem aus dem Heimatland Johannes Pauls II. in den letzten Tagen nachgesagt worden ist: Sie haben ihn geliebt, aber sie haben ihm nicht zugehört. Es fällt auch mir zugegebenermaßen schwer, wirklich aufzutrennen zwischen seinem Leben (und Werk) als Kirchenführer und seiner Person - gerade in den letzten Jahren, den letzten Wochen. Mit vielen Entscheidungen und Sichtweisen des Papstes Johannes Paul II. hatte ich (als ein Mitglied dieser Kirche, und damit - in meinem wenig christlich oder gar katholisch geprägten nächsten Umfeld - auch als Teilnehmer vieler Diskussionen, in denen man schonmal nach Sinn und Verstand der jüngsten Verlautbarungen gefragt wird, ganz so, als müsse man das alles nun zu rechtfertigen wissen) naturgemäß meine Mühen und Ärgernisse.
Was aber vor allem dazu führte, dass ich in den letzten Stunden auch geweint habe und einige Momente tiefster, ehrlicher Berührtheit fand, war das Bild des Gläubigen, das Karol Wojtyla gerade in den letzten Tagen repräsentiert hat: Da leidet und stirbt einer im Glauben und tut dies in aller Öffentlichkeit. Mitten hinein in eine Zeit, in der das Sterben vielfach ein ganz unerwünschter Gast des Öffentlichen ist, stößt dort dieses Bild eines alten Mannes, der sich nicht mehr aufrecht halten kann und die Sprache fast ganz verloren hat, und zu dessen letzten Sätzen dennoch und gerade deshalb gehört haben soll: "Fürchtet euch nicht." Ein Mann in einer der "weihevollsten" Positionen, die man sich denken kann, und beim Sprechen sabbert er, bricht öffentlich zusammen und zuletzt verzieht sich sein Gesicht in Schmerzen bei jeder Bewegung. Und all das zählt für ihn nicht, ist überhaupt nicht wichtig, weil er eine Aufgabe hat, die für ihn Berufung ist, und von der man nicht zurücktritt auf die Art, wie man einen Job kündigt. Er nimmt das sehr direkt mit dem biblischen Wort von der das Kreuz tragenden Nachfolge und zeigt damit, dass darin - im Leiden, den letzten Stunden, dem Sterben - nichts Schlimmes ist, dass es ein Teil des Lebens ist, den man mit Zuversicht auf sich nehmen darf, in der Gewissheit, sich in den "besten Händen" zu befinden. "Ich bin heiter, seid ihr es auch", dafür bin ich ihm - ganz für mich - dann doch sehr dankbar.

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01.03.05

Simone Simon verstorben.

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Das weiß MoC zu berichten. Fünfundneunzig ist sie geworden und ich habe, wenn ich es so bedenke, doch beträchtlich viele Filme mit ihr gesehen, und meine sie eigentlich immer toll gefunden zu haben. Ihre Bewegungen in Cat People, jener teuflisch-schleichende Gang des Zögerns und Windens (Besessenheit / Furcht / Eros), mit dem sie sich durch Tourneurs Schatten- und Lichtwürfe schlängelte, ist mir noch besonders präsent. Ich weiß gar nicht mehr, wo genau sie in La Ronde war, aber das ist sowieso ein Film, an dem alles schön und großartig ist. Scheinbar hat noch kaum jemand sonst in der Presselandschaft ihren Tod registriert. Das mag aber auch daran liegen, dass sie in der Tat aus einer "ganz anderen Zeit" verblieben war. Eine Schauspielerin der französischen Zwischenkriegsphase und der Studio-Ära (als es noch so etwas Wunderbares wie den RKO-Grusel und Produzenten wie Val Lewton gab) eben und auch eine, die nicht immer im Mittelpunkt stand. Dennoch ist zu hoffen, dass das Leben einer Darstellerin, die mit Renoir, Ophüls, Tourneur und Dieterle arbeitete, etwas mehr gewürdigt wird, als es momentan den Anschein hat.
Was mir zum Thema Simon, RKO, Noir etc. außerdem gerade noch einfällt: In Frankreich gibt es gerade von Éditions Montparnasse einige weitere DVDs aus dieser Ära, z.B. Tourneur: Berlin Express, Experiment Perilous, Days of Glory; oder auch von Nic Ray den ganz frühen A Woman's Secret und Flying Leathernecks und auch bei Walsh und von Sternberg sollte man sich umschauen.

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29.12.04

Wie regelrecht unmöglich es scheint...

jetzt, gerade jetzt auf den einen Tod von Susan Sontag näher einzugehen.

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06.11.04

Beide

an unserer Schule. Siebte und neunte Klasse. Ich kannte sie nicht, aber Freunde gaben ihnen Nachhilfe. Reaktionen gestern, die reichten von Lehrern, die keinen Unterricht machen wollten, über solche, die meinten, sie seien "angehalten worden, das Gespräch anzubieten" (sehr professionell: die Tragödienverarbeitungsformel), bis hin zum Abnicken und der gewöhnlichen Tagesordnung. Diskussionen - natürlich - über Waffen, Spiele, Filme, Familie, Schule, Noten...
Irgendwann angefangen, Begriffe und Phrasen aus den "Unterrichtsgesprächen" wahllos ins Notizbuch zu schreiben: "... der sagt, er sei ja nur der dumme Bäcker" steht irgendwo neben "um die Familie gebracht".

Posted by Janis at 11:35 | Comments (1) | TrackBack

10.10.04

An dem Abend,

an dem ich viel später erfahre, dass nun Jacques Derrida gestorben ist, sitze ich auf der Geburtstagsfeier einer Freundin an einem rot gedeckten Esstisch, und denke daran, dass wir ja doch alle älter geworden sind.

Posted by Janis at 04:13 | Comments (0) | TrackBack

19.07.04

Carlos Kleiber

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1930 - 2004

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15.07.04

Good Mood Cry Café

«In der heutigen schnelllebigen Gesellschaft stehen Männer unter ungeheurem Druck, aber wenn es ihnen schlecht geht und sie weinen, hält man sie für wertlose Wichte. Um männlich zu sein, schlucken sie ihre Sorgen herunter, und das schlägt natürlich auch auf die Gesundheit», zitiert die US-Zeitung «The Straits Times» den Geschäftsmann. Dem habe er ein Ende setzen wollen und deshalb hat einen Ort zum Weinen geschaffen....

[Netzeitung.de]

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11.06.04

Tragödien I

Seifert, ehemaliger Schüler der Volkhovener Schule, wurde von über Jahre aufgestautem Hass getrieben: Hass auf Beamte, die seine Tuberkulose-Erkrankung nicht als Kriegsleiden anerkennen, Hass auf die Ärzte, die seine Ehefrau drei Jahre vor der Tat im Kindsbett nicht vor dem Tod retteten. Im Zweiten Weltkrieg hatte der Täter als Soldat der Wehrmacht gedient und eine Waffenschule besucht, sich in der anschließenden Kriegsgefangenschaft wahrscheinlich die Tuberkuloseerkrankung zugezogen.

Nach der Gefangenschaft versucht Seifert, als Polizist im Zivilleben Fuß zu fassen. Das Vorhaben scheitert: Nach nicht ganz einem Jahr entlässt ihn sein Arbeitgeber im Herbst 1946 wegen Dienstuntauglichkeit. Danach bekommt der Kriegsheimkehrer kein Bein mehr auf den Boden. Die Rente fällt schmal aus, weil die Amtsärzte den Zusammenhang zwischen Krankheit und Gefangenschaft nicht bestätigen wollen.

(Spiegel Online)

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29.05.04

[it may not always be so; and i say]

it may not always be so; and i say
that if your lips, which i have loved, should touch
another's, and your dear strong fingers clutch
his heart, as mine in time not far away;
if on another's face your sweet hair lay
in such a silence as i know, or such
great writhing words as, uttering overmuch
stand helplessly before the spirit at bay;

if this should to be, i say if this should be –
you of my heart, send me a little word;
that i may go unto him, and take his hands,
saying, Accept all happiness from me.
Then shall i turn my face, and hear one bird
sing terribly afar in the lost lands.

- E. E. Cummings

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21.05.04

[VOR MEIN]

VOR MEIN
wetterleuchtendes Knie
kommt die Hand zu stehn,
mit der du
dir übers Aug fuhrst,

ein Klirren
holt sich Gewißheit
im Kreis, den ich zog
um uns zwei,

manchmal freilich
stirbt der Himmel
unsern Scherben
voraus.

- Paul Celan

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Ehmals und jetzt

In jüngern Tagen war ich des Morgens froh,
Des Abends weint ich; jetzt, da ich älter bin,
Beginn ich zweifelnd meinen Tag, doch
Heilig und heiter ist mir sein Ende.

- Friedrich Hölderlin

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12.05.04

Weltende

Es ist ein Weinen in der Welt
Als ob der liebe Gott gestorben wär,
Und der bleierne Schatten, der niederfällt,
Lastet grabesschwer.

Komm, wir wollen uns näher verbergen...
Das Leben liegt in aller Herzen
Wie in Särgen.

Du! Wir wollen uns tief küssen-
Es pocht eine Sehnsucht an die Welt,
An der wir sterben müssen.

- Else Lasker-Schüler

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