01.08.05

Parsifal, Knappertsbusch, Bayreuth 1962

... wenn am Anfang des zweiten Aufzugs, gleich nach Klingsors "Auf denn! Ans Werk!" jemand im Publikum sehr laut "Guck mal, da drüben..." sagt.

Posted by Janis at 02:58 | Comments (2)

23.05.05

Wenn Politik heute noch eine etwas großtuerischere Sache wäre,

dann hätte meine Vorstellung davon, wie Müntefering und Schröder seit 15:00 Uhr gestern allein in einem verrauchten, halbdunklen Zimmer des Kanzleramts saßen vielleicht doch noch auf halbem Wege mit der Wirklichkeit zu tun: Wie sie einsame Männer-Machtgespräche führten und über allem so eine "Das war's dann wohl"-Atmosphäre liegt. Wie Schröder dann aufsteht, am Tisch entlang geht und dabei seine Hand aufliegen, sie kurz über das Holz gleiten lässt. Das in Großaufnahme. Wie in diesen blöden Guido-Knopp-"Adenauer-bei-vertraulichen-Gesprächen"-Szenen. Eine dunkelblaue Maßanzug-Ikonographie des wirklich Wichtigen.

Posted by Janis at 01:57 | Comments (0)

20.04.05

the alexander kluge style of pronouncing ordinary words

irackk
gasss
isssland
rohbinsohn
attentaaat
kräbbs

Posted by Janis at 23:52 | Comments (2)

15.04.05

Frühling

Zufällig am Fenster gestanden und für einen Moment in den der Straße zugewandten Garten geblickt: Zwei kleine Mädchen, vielleicht gerade so dem Grundschulalter entwachsen, laufen unschlüssig und eiligst den kurzen Weg auf und ab, der vom Eingangstor des Gartens zur Haustür führt. Sie tragen diese eckigen, knallbunten Tornister, die in den ersten Klassen jeder hat, sie aber schon spätestens mit dem Schulwechsel für unfassbar anti-lässig und ganz kindisch hält. Jedenfalls laufen die beiden Kinder dort, als wollten sie nicht entdeckt werden und ich wundere mich, worauf sie es abgesehen haben. Als sie einmal mehr wieder am Tor angekommen sind, scheint sich das eine Mädchen wohl ein Herz zu fassen, stürmt auf den Weg zurück und bricht nun tatsächlich in der strahlenden Sonne die rot-goldene Blüte einer der Blumen ab, während ihre Begleiterin plötzlich - mich wohl am Fenster erspähend - aufschreit: "Achtung, da guckt jemand!"
Ich mache reflexartig einen Schritt zurück und sehe noch, wie die beiden davon hetzen. Ein ganz großväterlich-mildes Grinsen durchfährt mich spontan. Verblüfft und amüsiert, gar ein klein wenig angerührt zugleich.

Posted by Janis at 13:34 | Comments (0)

23.08.04

Was macht man eigentlich damit,

nun, da man den Schrei gestohlen hat?
Allenfalls: In einem Geheimraum im Villa-Keller aufhängen und ganz alleine Tag für Tag ein paar Minuten / Stunden ansehen.
Die Romantik des Kunstraubes im Zeitalter des Jeder-weiß-bescheid.


Posted by Janis at 01:03 | Comments (1) | TrackBack

18.04.04

Gents

In einer Aufführung von Verdis Die Macht des Schicksals gewesen. In einer Szene kam die Kriegstreiberin Preziosilla mit künstlichen Brüsten aus dem Kostümshop auf die Bühne. Ein alter Mann vor mir greift nach anderthalb Stunden zum ersten Mal zum Opernglas.

Durchs Kaufhaus gegangen. Vor mir ein Mann von vielleicht knapp 60 Jahren. Er ist klein, breit, trägt eine knallrote Hose und geht langsam. "Wir" kommen an einer die Haare in Strähnen blond gefärbten Verkäuferin vorbei, die gebückt auf dem Gang steht und etwas aus einer Kiste packt. Er bleibt stehen, schaut sie an. Sie sieht zu ihm hoch. Er laut zu ihr: "Was für ein zauberhaftes Wesen." Er geht weiter. Im Hintergrund hört man die Verkäuferin lachen. Fetzen vom leicht indigniert anklingenden Austausch mit anderen Kunden, die der Szene beiwohnten.

Posted by Janis at 01:28 | Comments (0) | TrackBack