04.09.05

... und Valery Gergiev,

der wirklich mit einem Zahnstocher dirigiert und diesen so fest drückt, dass Daumen und Zeigefinger weiß anlaufen.

Posted by Janis at 01:04 | Comments (0)

07.08.05

Adorno on Strauss, Mahler, and Berg

Eine kleine Zusammenstellung von Essays und Auszügen aus Texten Adornos über drei ihn prägende Komponisten. Hier zum Download.

Posted by Janis at 13:19 | Comments (1)

17.05.05

m'styih-SLAF rahss-trah-PAW-vihch

The Pronouncing Dictionary of Music and Musicians

Posted by Janis at 01:24 | Comments (0)

14.05.05

Doch noch Star Wars hier: Revenge of the Gibichungen

Vader und Hunding? Han & Leia und Tristan & Isolde? Leia und Brünnhilde?
Na, nicht ganz, aber unsere Lieblings-Wagner-Seite (irgendwann schonmal hier oder im Furl verlinkt) findet zumindest manch Parallele.

Posted by Janis at 18:02 | Comments (0)

18.04.05

Wohlige Berechenbarkeit

Die "Urnebel", aus denen ein Gebirge aus Klang entsteht, als seien sie - vielleicht ja durchaus im Sinne ihres tiefreligiösen Schöpfers - der Atem Gottes, die Scherzi, die immer noch einmal von vorne anfangen und diese Adagios, die immer auf einen Punkt zusteuern, an dem die Zeit einen Moment lang still steht, an dem es - je nach Edition - vielleicht dann auch mal einen oder gar zwei Beckenschläge geben darf. Die Anklänge an Wagner, mit denen diese Adagios so oft nach jenem letzten gewaltigsten Ausbruch ausklingen. Die sphärischen, nachtschwarzen Hörner, die dann - wie in der Siebten und Achten - aus der Tiefe emporsteigen (ganz so wie man in der Musik des Rheingold immer hinaufsteigt zu den Göttern Walhals, wenn diese erstmals nach dem Alberich/Rheintöchter-Spiel in die Szenerie treten) und schließlich jene Finalsätze, deren Enden überhaupt gar keinen Effekt kennen, kein Draufsetzen. Die Musik läuft und steigert sich, bis sie mit zwingender Logik reißt, fast abbricht. Immer dieses Gefühl, dass hier alles Grund hat, alles seinen Bezugspunkt, ein feinstes Maßgespür vorliegt. Manchmal als sei die geistige Welt der Kunst der Fuge auf ein Riesenorchester übertragen worden. Es gibt Momente in der Musik Bruckners, da öffnen sich einfach die Himmel.

Posted by Janis at 22:16 | Comments (0)

04.04.05

Schubert: Winterreise (Pears / Britten, Decca Legends)

pearsbrittenwinterreisek.jpg

Es scheint schwierig, wirklich großartige Aufnahmen der Winterreise, dieses wohl komplexesten aller Liederzyklen, zu finden. Natürlich, es gibt x Einspielungen von Dietrich Fischer-Dieskau, dem interpretativ sicherlich prägendsten Künstler in der Diskographie des Werkes (hier eine entschuldigende Verbeugung vor Hans Hotter), und viele davon sind beispielhaft (zugegeben sogar: eine "bessere" als seine 1966er-Aufnahme mit Jörg Demus auf DG habe ich noch nicht gehört). Dennoch sind Alternativen immer wünschenswert und gerade mir ging es lange so, dass ich drohte an seinen Versionen der Winterreise "kleben zu bleiben", was schnell den Blick für andere Ansätze verdunkeln kann. Man muss bei diesem Zyklus irgendwo oft gewisse "Kompromisse" machen zwischen interpretativer Einsicht und schlichtweg bewundernswertem Gesang. Beides zusammen findet sich nur selten - auch nicht zur Gänze auf dieser legendären Einspielung, die vom Gramophone-Magazin zu den größten Leistungen der Plattengeschichte gezählt wird (nicht, dass das nun alles bedeute, vor allem nicht beim bekanntlich gerade mit den "eigenen" britischen Interpreten immer sehr enthusiastisch umgehenden Gramophone). Dennoch ist Sir Peter Pears' Aufnahme mit (seinem Lebenspartner) Benjamin Britten am Klavier etwas ganz Besonderes, in der Art, wie man es heute nicht mehr zu hören meint. Ein typisch britisches Kuriosum, wenn man so will: Pears singt in höchst gekünsteltem Deutsch, mit dessen Aussprache er bisweilen auch seine Probleme hat. Gerade das aber gibt seinem "Wanderer" einen Anschein, der vom tragisch-dramatisch in die Finsternis fallenden Ton der deutschen Interpreten entschieden abweicht: Pears' von seiner Geliebten verlassener Held ist hager, aufgeregt und zappelig wie eine umrisshaft angedeutete Comic-Figur, hat Dreck im Gesicht. Das einleitende "Gute Nacht" hatte nie so sehr den Schlag eines unerbittlichen Uhrwerks wie hier und Pears lässt den Sprechfluss zerbrechen, bringt fast die Monotonie eines eingehämmerten Wahnsinnsmantras in Schuberts Noten und Müllers Zeilen:

Es zieht ein Mondenschatten
Als mein Gefährte mit,
Und auf den weißen Matten
Such' ich des Wildes Tritt.

Was soll ich länger weilen,
Daß man mich trieb hinaus?
Laß irre Hunde heulen
Vor ihres Herren Haus;
Die Liebe liebt das Wandern -
Gott hat sie so gemacht -
Von einem zu dem andern.
Fein Liebchen, gute Nacht!

Die romantisch verklärten Passagen ("Lindenbaum" usw.) bekommen vor allem durch die energische Radikalität von Brittens großartiger Begleitung eine seltsame Entrücktheit und Vergänglichkeit: Bei den aufkommenden Stürmen im "Lindenbaum" wird durch Brittens harten Anschlag die Zerschlagung dieses Tagtraumes sofort bildlich, seine Einleitung zu "Auf dem Flusse" ist die beste, eleganteste, die ich je gehört habe. Durch Pears' Helden leuchtet dann später gänzlich der Wahnsinn und keinesfalls die Melancholie, wenn er im berühmten, den Zyklus beschließenden Leiermann im schroffen Stakkato die öffnenden Worte tänzeln lässt: "Drüben hinterm Dorfe steht ein Leiermann." Auch zuvor schon: Die hohen Töne sind jetzt wie Zuckungen, blitzen nervös. Fantastisch, wie Pears durchgehend die Ironie und eingentliche Leere der aufbrausenderen, kräftigenden Stücke des Zyklus' betont. Es mag auch (glückliche) Koinzidenz sein, aber beim letzten solchen Lied, "Mut!", entgleitet ihm seine deutsche Aussprache an einigen Stellen ziemlich und er klingt fast lallend. Genau das sollte der Ton dieses Lieds sein: Eigentlich ist hier nichts mehr zu holen und der verdammte "treue Wanderstab" gibt schon lange keinen Halt mehr, also stolpert er auf die letzten Schritte dieser Reise. Am Ende scheint Pears seine Stimme künstlich zu verengen - es klingt wie ein Schelmengesang. Der Schluss versinkt im Irrsinn, geht glühend unter in einer Art Befreiung. In ihrer ganzen Andersartigkeit wohl die schwärzeste aller Winterreisen.

Posted by Janis at 19:12 | Comments (0)

20.03.05

just loud, just stomping, just boring

Was finden nur alle an diesem gelackten Zackzack-Scheitelträger Christian Thielemann? Wenn der Mann wenigstens dirigieren könnte, wäre mir sein teutonisches Gehabe ja fast egal. Was sich dann aber bei etwas mehr als oberflächlichem Hinhören auf den Einspielungen findet, macht wirklich staunen, wie es dieser Protz an alle wichtigen Pulte dieser Welt schaffen konnte. Mehr oder weniger per Zufall (längere Geschichte) bin ich jetzt an seine natürlich wieder vielfach gepriesene Fünfte Bruckner mit den Münchner Philharmonikern (auf Deutsche Grammophon) geraten und so langweilig und regelrecht auf halber Strecke verdurstend habe ich diese bei kluger Herangehensweise strahlend schöne, prachtvolle Symphonie lange nicht mehr gehört. Thielemann hat die Sensibilität und Beweglichkeit eines Mähdreschers. Er stampft und donnert sich durch die Partitur, als wolle er partout beeindrucken und doch wirkt alles so müde, bogenlos und zerschlagen. Wirklich schlimm sind dann Stellen wie jene im (böse schleppenden) Scherzo, wo man sich Thielemann im Geiste auch hervorragend als Leiter einer schon angetrunkenen Marschkapelle imaginieren könnte. Wie gerne gehe ich da zurück zum Beispiel zu Eugen Jochums berühmter alter Live-Aufnahme mit dem Concertgebouw Orchester: Hier fließt alles, spürt man die Vorsicht, mit der Jochum jeden klimaktischen Ausbruch vorzubereiten, logisch zu untermauern sucht. Klare Texturen und leuchtende Motivlinien, die sich durch das Werk schlängeln. Und diese Gespanntheit, diese Geschmeidigkeit und Flexibilität des Tempos, diese Steigerungen und echten Entladungen im dreifachen Forte!
Thielemann rennt dabei jedes Mal wieder weit offene Türen ein. Am Ende scheint dem Münchner Blech im gigantomischen Choral, der die Symphonie beschließt, dann auch noch ein bisschen die Luft auszugehen - zumindest im Vergleich zu den am Schluss durch jede Orchestertextur schneidenden Bläsern des Concertgebouws etwa, die diese enorm anstrengende Partie noch mit größter und vor allem mächtigster Strahlkraft meistern. Der Gedanke daran, dass Thielemann lange Zeit auch als Nachfolger Chaillys beim von mir innig verehrten Concertgebouw im Gespräch war, lässt fast erschaudern.
Ich habe eine Karte für das Thielemann/Münchner-Philharmoniker-Konzert hier im Mai mit der "Alpensinfonie" und dem Violinkonzert von Beethoven. Mittlerweile muss ich doch überlegen, ob ich das wirklich wahrnehmen will...

Posted by Janis at 02:13 | Comments (4)

09.03.05

Bach, Matthäus-Passion, J.E. Gardiner, Königslutter

Schon im letzten Jahr hatte ich knapp von John Eliot Gardiners Bach-Aufführung (damals mit der h-moll-Messe) hier in der Region erzählt. Nun also: die Matthäus-Passion, das vielleicht größte Werk aller sakralen Musik, und was zu allererst wundernahm, wenn man am vergangenen Sonntag ein gutes Stück weit im ersten Teil angelangt war, waren gewiss Gardiners Tempi. Im Vorfeld hatte ich noch zu Verwandten und Bekannten gemeint, dass man nicht damit rechnen müsse, sehr viel länger als zweieinhalb, vielleicht zweidreiviertel Stunden (Pause nicht mit einberechnet) im (wie immer lausig kalten) Kaiserdom würde sitzen müssen, denn schließlich dirigiere ja Gardiner, und der ist auf seiner berühmten 88er-Aufnahme bekanntlich durch einige der Arien gehetzt, als ginge es um sein Leben. Nun, allein für den ersten Teil brauchte er am Sonntag rund 80 Minuten, was, um es mal in Relationen zu sehen, zum Beispiel schon fast eine Viertelstunde länger ist als auf der genialen und weitgehend straffen zweiten Aufnahme Philippe Herreweghes und noch immer sechs, sieben Minuten länger als bei Helmuth Rillings eh schon ziemlich langsamer, jedoch wunderbarer Hänssler-Einspielung.
Alles, was dereinst zügig, "entschlackt" und geradezu weltlich-hell daherkam, wurde nun groß, majestätisch, voller Stille und ruhigem Atem. Unfassbar schön dieser Ansatz an vielen Stellen, so etwa in jenem, jeder Beschreibung spottenden Moment im zweiten Teil, wenn der Evangelist vom Verrat des Petrus singt und es über ihn heißt "... und [er] ging hinaus und weinete bitterlich." Als wolle Gardiner hier die Zeit gänzlich anhalten, ließ er den voller Wärme und dennoch mit der Rolle angemessenem, hellen Glanz singenden Mark Padmore das unbegleitete "weinete bitterlich" ziehen bis in die Ewigkeit - eingerahmt von Grabesstille im Dom. Aber nicht nur die Rezitative, sondern auch die von den Mitgliedern des nach wie vor kaum vergleichbaren Monteverdi Choir übernommenen Arien genossen mehr Freiheit, mehr Ausbreitungsmöglichkeiten, als es im "Geschwindigkeitsrausch" der Aufnahme noch der Fall war (wenngleich sich Gardiners sehr genaue Befolgung der historischen Aufführungspraxis vor allem in den Arien wie immer daran zeigte, dass er ein Übermaß an Emotionalität, gar ein Verfallen in sängerische Manierismen oder auch nur ein zu präsentes Vibrato vehement zu vermeiden suchte). Von besonderer Schönheit: Das "Ich will dir mein Herze schenken" (Sopran) des ersten Teils, das in der spürbar freudigen, fast von einem - wenn man das sagen darf - latent erotischen Unterton angehauchten Darbietung einer jungen Sängerin des Chores eine für mich nahezu ideale Interpretation fand, und vor allem auch die Schlussarie für den Bass, jenes sterbensschöne "Mache dich, mein Herze, rein", das ganz die entschlossene, hoffnungsvoll-kräftige, sehr "väterliche" Stimme erhielt, die es benötigt (hören Sie für einen Eindruck von Vollendung da mal Quasthoffs Darbietung auf der Rilling-Aufnahme and this is what music's all about...). Leider kann ich die Altus-Partien in diesem Zusammenhang nicht eingehend beschreiben, da der entsprechende Sänger akustisch wenig ideal zu mir stand.
Die English Baroque Soloists stellten an dem Abend gewiss irgendwo das letzte Wort in Sachen "authentischer Klang" dar, wenn man das denn überhaupt so bewerten kann. Jedenfalls klangen die Oboen (und die Bläser generell) nun endgültig nicht mehr wie heutige Oboen (viel holziger, bisweilen erweitert um einen eigentümlichen, recht großen "Schalltrichter" aus Messing (?) und generell doch etwas weniger flötengleich) und die Streicher hatten gänzlich jenen "rohen", perlenden, etwas kantig angreifenden Klang, den man mit der historischen Aufführungspraxis assoziiert. Gardiner ging durch die Partitur mit der Gelassenheit und Selbstverständlichkeit eines Altmeisters: Keine Show, keine großen Gesten und trotz der langsamen Tempi keine Behäbigkeit, sondern im Gegenteil und trotz der Düsternis und Furchtbarkeit, die der Passion nun einmal immanent ist, mit viel Freude, viel Licht. "Damit sich die Schrift erfülle" - diese Determiniertheit, der "göttliche Plan" schienen stellenweise die eigentliche Traurigkeit quasi "auf Ostern hin" aufzuhellen. Beim Schlusschor ("Wir setzen uns mit Tränen nieder") dann doch noch fast geweint. Da, im kalten, romanischen Kaiserderom.

Posted by Janis at 00:28 | Comments (3)

05.03.05

Toscanini, der Krieg und Fidelio

Eine der anrührendsten Anekdoten aus der Geschichte der Aufnahmen klassischer Musik ist für mich die von Arturo Toscanini und seinem NBC-Orchestra, die im Dezember 1944 in Amerika im Studio saßen um den ersten und ein paar Tage später auch den zweiten Akt des Fidelio live für das Radio einzuspielen. "Eingerahmt" wurde die Aufnahme für die Zuhörer an den amerikanischen Radiogeräten natürlich zu jeder vollen Stunde durch die Nachrichten vom alliierten Bombardement und dem Krieg gegen Deutschland.
Es ist fast, als prallten hier "Systeme" aufeinander. Die Nachrichten von der mit dem Krieg einhergehenden, unumgänglichen Vernichtung auch eines Teiles deutscher Kultur von (weit) vor dem Kriege im Zuge der Befreiung von den Nazis und gleich darauf: Fidelio, jenes unvergleichliche Hohelied auf die Freiheit und das Leben, dieses Märchen vom Unmöglichen, in dem ein Trompetensignal eine ausweglos gewordene Situation auflöst. Jener bedingungslose Freudentaumel, geschrieben von einem deutschen Komponisten, dirigiert von einem, der Europa und dessen von ihm gehassten Faschismus schon Jahre zuvor verlassen hatte.
Zur selben Zeit wurde Fidelio auch in Deutschland gespielt - umgedeutet und zerstückelt als Metapher auf die nationalistische "Selbstbefreiung" eines Volkes. Das ist ein Stück Subgeschichte. Oder auch einfach: Das ist Geschichte, endlos verdichtet und verflochten.

Die Toscanini-Aufnahme ist übrigens diese. Leider nicht mehr im Katalog von RCA, wie es aussieht. Laut Adam Fischer, der diese Anekdote jüngst erst wieder zu ganz später Stunde im DLF erzählte, ist sie famos.

Posted by Janis at 18:27 | Comments (1)

14.02.05

schubert, op. 103, d. 940

ringt ständig mit dem bogen, den es schlagen will sollte, könnte. natürlich findet es ihn zum schluss, aber wie es in den fast 20 minuten, die dazwischen liegen, immer wieder zu zerbrechen droht, an allem, was es ja gerade verknüpfen will, ist kaum in worte zu fassen. manchmal gibt es keine steigerungsmöglichkeiten mehr. dann setzt jenes überirdische kleine anfangsmotiv wieder ein, als sei noch einmal von vorne zu beginnen. mal hellt schubert die beschließenden töne des motivs auf, mal verfinstert er sie. ihre anfängliche, in sich ruhende melancholie, ihre zärtliche einfachheit gewinnen diese akkorde fast nie vollständig zurück: schon ab der ersten wiederholung beginnt die reise des "einsamen wanderers". ab hier gibt es nur noch licht und dunkelheit. was der wanderer am ende findet? einen letzten leisen moll-akkord, im raum stehend, fast ohne "ausklang", unaufgelöst, aber eindeutig. die welt ist eine fantasie für klavier zu vier händen.

Posted by Janis at 20:17 | Comments (0)

16.01.05

Hommage

Ich weiß nicht genau, was es ist, das mich an der Stimme von Fritz Wunderlich zu Tränen zu rühren vermag. Ich glaube nicht, dass es die Lieder sind, die er sang, von Schumann und Schubert, die zwar fraglos zum Schönsten gehören, was je komponiert wurde, die ich aber auch auswendig kenne. Vielmehr scheint es mir die Art zu sein, wie er mit seinem Tremolo einen Ton zu umflackern verstand, wie sein säuselnder, vermatteter Tenor so tief menschlich, so leidend klang, wie weich er das "r" rollen ließ, wie seine Stimme immer erschien, als käme sie so ein bisschen aus der Ferne, aus einem geheimnisvollen Nebenzimmer. Der Glanz eines beschlagenen Metalls - faszinierender, wundersamer, durchlittener als das vollendet reine.
Ich denke, man sollte nicht aus dieser Welt gehen, ohne wenigstens einmal eine Aufnahme von Fritz Wunderlich gehört zu haben.

Posted by Janis at 02:26 | Comments (0) | TrackBack

03.12.04

Die rechte Hand

... in einem Raum zu stehen und von nebenan, durch Wände und Türen die neue Aufnahme von Brad Mehldau (Live in Tokyo) zu hören. Der Bass abgedämpft, kaum hörbar; was aber dieser Magier mit der rechten Hand an Wundersamem darüberfliegen lässt, reicht aus, um allein dadurch auch noch "nebenan" in äußerste Verzückung zu geraten.

Posted by Janis at 19:26 | Comments (0) | TrackBack

24.11.04

Für die Herbst- und Wintertage:

Schumann-Lieder in den Interpretationen vom strahlenden Ian Bostridge und der einfach sagenhaften Dorothea Röschmann. Sprachlos gelassen davon, wie sie etwa den "Nußbaum" aus dem "Myrten"-Zyklus (einem Liederkreis nach Gedichten von Goethe, über Burns und Byron bis Rückert) regelrecht schwerelos singt, oder wie Bostridge wild romantisch den "Hochländers Abschied" beklagt.
Eine Aufnahme, die mich in meinem Eindruck bestärkt, dass die Essenz der Musik der Romantik mehr noch als irgendwo sonst in ihren bedingungslos schwelgenden, goldtonigen Kunstliedern liegt. Ganz großartig. Das wollte ich nur mal sagen.

Lebt wohl, ihr Berge,
Bedecket mit Schnee!
Lebt wohl, ihr Täler,
Voll Blumen und Klee!

Lebt wohl, ihr Wälder,
Bemoostes Gestein,
Ihr stürzenden Bächlein
Im farbigen Schein!

Posted by Janis at 18:53 | Comments (0) | TrackBack

16.11.04

Vinylzauber

Gerade eine alte Holländer-Gesamteinspielung (Konwitschny / Fischer-Dieskau / Electrola) auf Platte ausgegraben. Aufgelegt und zugeguckt, wie sich das blutrote Electrola-Label in der Mitte des Tellers langsam dreht. Es rauscht, knackt und knarzt natürlich. Aber wieder ist dieses Gefühl von Räumlichkeit da, das bei der CD (und meine Generation hat ja praktisch nie was anderes kennengelernt) ein bisschen verlorengegangen zu sein scheint. Gemeint ist nicht nur die vielbeschworene "Hörtiefe", sondern auch, ansatzweise noch sehen zu können, wie sich die Musik ihren Weg in die Lautsprecher bahnt: Der Arm, der durch die Rillen einer großen, schwarzen Scheibe fährt. Plastische Musik, kein digitaler "Text".
Neulich erst eine Tchaikovsky-Sammlung mit Karajan / BPO aus den 60ern aufgestöbert: Mit Plüschstreichern und dem Blech wie aus der Tube gedrückt. Auf CD klänge das nicht so. Nie im Leben zumindest so trashig, Karajans Schönklang-Aura so spürbar, seine dünnen Hände so klauenartig über jedem Takt. Und erst einmal dieses Cover, das im vergleichsweise winzigen CD-Format nie so erschlagend daherkäme: Karajans Kopf in seinen Zügen so idealisiert wie der einer antiken Statue, das Haar exakt gescheitelt, aber mit dem Funken einer verwegenen Note versehen, die stählernen, himmelsblauen Augen gen Horizont gewandt. Man kann einen Hauch Weihrauch riechen. So nur auf Platte, wirklich, nur auf Platte.

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18.05.04

Claudio Monteverdi: L'Orfeo

Mal wieder ein neuer Eintrag in der Reihe "Kaufen Sie das ruhig":
Emmanuelle Haïms L'Orfeo-Einspielung ist perfekt. Und Monteverdi ja sowieso.

orfeoklein.jpg


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14.05.04

Vorfreude II

Heute Abend ist das Philadelphia Orchestra unter Christoph Eschenbach zu Gast in unserer beschaulichen Stadt.

Auf dem Programm:
Schönberg - Verklärte Nacht (Fassung für Streichorchester)
Mahler - Symphonie No. 1

An den Preisen (120 Euro für eine Karte im Hochparkett) merkt man zwar sowohl den Weltruf des Orchesters, als auch dessen weite Anreise, dennoch überwiegt ganz eindeutig die Vorfreude auf das Live-Erlebnis von amerikanischer Klangperfektion. Gerade Philadelphias grandioser Streicherapparat sollte der Verklärten Nacht mehr als gerecht werden. Überraschungen vorbehalten. Sehr spannend.

Update:
Schönberg grandios. Melancholisch, tief empfunden und voller Kraft - wunderbar getragen durch die Philadelphia-Streicher, die ihrem Ruf alle Ehre machten. Fin du siècle-Gefühle in bester Gestaltung.
Mahler maniriert. Eschenbach macht aus jedem kleinen Klangeffekt in der Partitur ein großes Theater, schleppt sich von Takt zu Takt und kostet jeden Akkord wie mit Hanteln an den Händen aus. Keine atemlose Spannung im letzten Satz, kein "böhmisches" Gefühl im dritten. Das war irgendein anglo-amerikanischer Komponist mit fettem Sound. Klang wie Stoki oder Copland - gewiss aber nicht wie Mahler. Ziemlich kindisch und leer. Wenngleich bombastisch - das Orchester ist toll, überragend gar. Aber Eschenbach ging jeder jugendliche Ungestüm ab. Verdammt schade.
Das Publikum (vornehmlich bestehend aus Leuten, die nicht wissen, dass zwischen den Satzpausen nicht geklatscht wird und ihre Karten wohl umsonst bekommen hatten) war trotzdem vollkommen begeistert. Ich hör's wohl einfach zu viel.

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15.04.04

Chailly, Mahler #3

chaillym3klein.jpg

Es kann ein müßiger Versuch sein, Mahlers Dritte zu "intellektualisieren". Die Musik ist "intellektuell", nur stammt ihre "Intellektualität" auch gerade aus ihrem augenscheinlichen Naivsein, ihren Augenblicken, in denen sie bewusst ans Triviale grenzt, in ihrem schamlosen "over the top"-Charakter. Wer an diese Symphonie herangeht, in der Absicht, sie zu "zerlegen", mit dem Ziele, dann jenseits der beispiellosen Ausnutzung des Orchesterapparats etwas zu finden, das ein "konventioneller" Ansatz nicht finden könnte, der ist dem Intellekt dieses Werks eher hinderlich, als denn dienlich. Denn mehr als irgendetwas sonst, ist die riesenhafte Dritte in Mahlers Werk die "Fundgrube" seines kompositorischen Schaffens; von der "Vorweltlichkeit" (Adorno) des ersten Satzes, bis hin zur Apotheose des Höchsten (Liebe / Gott) im letzten. Der Entwurf einer "Weltenschaffung" als solcher und seine bis dato vollkommen neue musikalische Sprache sind bei weitem kühn genug - und einer, der das versteht, ist Riccardo Chailly auf seiner neuen Einspielungen (der vorletzten in seinem Mahler-Zyklus; die Neunte Symphonie folgt im kommenden Jahr) mit dem Concertgebouw Orchestra. Chailly macht alles richtig, seine Deutung ist beides: Endlos kraftvoll und gleichzeitig äußerst transparent, gezeichnet von einem blaugoldenen Klangfarbton. Er ist voll und ganz konspirativ mit dieser Musik, glaubt an ihren Geist. Sein Orchester folgt ihm bedingungslos überall hin und die Virtuosität im Spiel ist hier ohnehin schon seit Mahlers Tagen als Gastdirigent dieses Klangkörpers Gegenstand von Legenden.
Der Einspielung beigefügt ist (anstatt des sonst oft obligatorischen Liederzyklus) ein Mahler-Arrangement aus Sätzen der Bach-Suiten Nr. 2 (h-Moll) und Nr. 3 (D-Dur). Feine Sache in Idee und Ausführung.

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27.03.04

Bach, Berlin, Kino

Heute live in meiner Behauptung bestätigt worden, dass John Eliot Gardiners Bach-Zugriff trotz neuer Erkenntnisse in der Bach-Forschung noch immer seine Berechtigung habe.
Die h-Moll Messe jedenfalls, die er mit den English Baroque Soloists und dem Monteverdi Choir heute im Kaiserdom in Königslutter spielte, war zwar alles andere als OVPP ("one-voice-per-part"), wie es nach heutigen Erkenntnissen wohl Bachs Intentionen entspräche (und unter anderem ja auch von Parrott und Junghänel sehr überzeugend praktiziert wird), jedoch wurde jenseits aller musikhistorischen Präzision ein Geist lebendig, der mir sehr viel mehr zählt: Eine strahlende Freude an und in dieser Musik nämlich; eine Vorstellung, die nicht den kleinsten Ansatz von überroutiniertem "Herunterspielen" hatte, sondern so aufregend und überzeugend war, als brächten die Musiker das Werk erstmals in ihrem Leben zusammen zur Aufführung. Gleichzeitig war das Zusammenspiel geprägt von einer enormen Erfahrung miteinander, Chor und Orchester nahezu perfekt aufeinander abgestimmt und sagenhaft transparent.
Gardiners Wahl der Tempi hielt eine durchgehende Spannung aufrecht, praktisch nie wurden Passagen zu sehr gestreckt oder durch ein zu schnelles Weitergehen ihrer berückenden "Jenseitigkeit" beraubt.
Wundervoll und mitnehmend das blanke, jedoch zutiefst trauervolle und zurückgenommene Entsetzen des "Crucifixus". Diese Ernüchterung und Verzweiflung, die Leere, die Stille und dann sofort der Ausbruch in den jubelnden Ruf des "Et Resurrexit". In solchen Momenten sind Gardiner und seine wie eigentlich immer technisch perfekten Musiker kaum zu übertreffen.
Schön war das alles. Sehr sogar.


Morgen dann mal wieder Berlin. Notes of an Itinerant Performer von Hiroshi Shimizu im Arsenal. Zu traurig, dass dies wahrscheinlich der einzige Shimizu-Film ist, den ich in absehbarer Zeit zu Gesicht bekommen werde. Besser als nichts ist das aber natürlich allemal.

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18.02.04

Pop Music

Ich höre nicht viel, beziehungsweise fast gar nichts an Pop Music.
Als jemand, der sich eher der orchestralen / vokalen / symphonischen Musik des (insbesondere) 17. bis 20. Jahrhunderts verbunden fühlt ist, ist das gelegentliche und dann auch meist eher zufällige Anhören von Pop Music für mich eine bisweilen eigentümliche Sache.
Denn während ich bei "klassischer" Musik darum bemüht bin, in die Musik selbst einzudringen, quasi die Musik zu lesen und möglichst um eine dem Zugang förderliche Empathie bedacht bin (die mal schwerer fällt, mal - wie bei Mahler oder Schubert - ganz einfach ist), so habe ich bei guter Pop Music das Gefühl, als könne sie hingegen mich lesen.
Höre ich Pop, so höre ich nicht die Musik, sondern eher mich selbst und die Musik gewinnt ihre Besonderheit durch das, was man ihr zu geben gewillt ist, durch das "wie", "wo" und "wann" man sie (oder ähnliche) schon einmal gehört hat.

So wie gerade eben: Eine Stunde mit neuer Musik aus Irland im Deutschlandfunk. Sommerabende, Pubs, W.B. Yeats, kühles Bier und das Gefühl davon, am genau richtigen Ort zu sein - Glück gehabt zu haben. Und auch, etwas weiter weg: Ein sehr irischer Film von Goran Paskaljevic, "unser" Filmfestival, fünf, sechs Film am Tag, das Eilen zwischen den Vorstellungen, das kurze Warten, das Beobachten der Menschen, dann: die Dunkelheit, das Auflösen, das Kino.
Natürlich mag nichts davon oberflächlich in dieser Musik sein. Aber so lange sie mir den Anstoß gibt und selbst "angestoßen" zu sein scheint, soll es mir genügen, bin ich mit allem zufrieden.
Wunderschön eigentlich. So sehr gar, dass es mich aus dem Bett getrieben hat, um das mal sagen zu können.

Posted by Janis at 01:46 | Comments (0) | TrackBack