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aus einem kaum beschädigten leben Archives

29.11.06

Wiederbelebungsversuche.

So, ich versuche, das alles hier mal wieder in die Gänge zu bringen. Nach und nach werde ich alte Einträge wieder einstellen, neue schreiben und versuchen, so gut es geht mit dieser eigenwilligen neuen Software zurechtzukommen.
Ich würde gerne wieder schreiben. Mal sehen, was dabei rumkommt.

18.12.06

U8 -> Hermannplatz

Ich schaue ihm eine Weile durch das Fenster zwischen den beiden U-Bahn-Wagen zu, die uns trennen und stumm machen für einander: Er scheint mit jemandem zu diskutieren, der grauhaarige Mann Mitte fünfzig mit Schnäuzer und Lederjacke. Irgendwann steht er auf und macht diese niederstreckende Geste mit dem Zeigefinger, wie mancher es vielleicht während einer hitzigen Auseinandersetzung an einem Tisch täte. Am Ende, das heißt: kurz bevor ich aufhöre, zu ihm zu schauen, steht er wieder auf, diesmal gibt er dem jungen, dunkelhaarigen Mann in der weißen Trainingsjacke, der ihm bis dahin gegenüber gesessen hatte, die Hand. Sehr fest, nehme ich an, denn er zieht ihn noch einmal zu sich heran und sagt etwas in der Nähe seines Ohres. Der Typ mit der weißen Jacke steigt dann aus.
Der Bettelnde in meinem Wagen, dem nie jemand etwas geben möchte, weil er schimpft und schreit, murmelt etwas, das sich anhört wie "Von Gott gesegnet."

09.03.07

Budapest

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12.09.07

Hölderlin, Heidegger, Abbado

Irgendwann im letzten Monat war ich für eine Nacht in London, um Claudio Abbado zu hören. Eigentlich natürlich: Um Mahlers Dritte Sinfonie zu hören, mit dem Lucerne Festival Orchestra unter Claudio Abbado im Rahmen der BBC Proms. Aber letztlich doch: Um Claudio Abbado zu hören.
Es schien mir jedenfalls alles erneut zu passen, zu der Arbeit, die ich schreibe über Hölderlin und Heideggers "Der Ister"-Vorlesung von '42, aus der heraus ich die Essenz des heideggerschen Schweigens zum Unsagbaren dieser Jahre zu destillieren suche. Dass der Genozid einfach keinen Platz, falsch: keine Relevanz hat im Denken Heideggers nach der "Kehre". Dass auch die "Endlösung" nur ein Stück Metaphysik, eine weitere "verborgene Geschichte" des Abendlandes ist.
Egal. Vielleicht arbeitet gerade Abbado mit dem, was Heidegger (zumindest gemäß Lacoue-Labarth) nicht sehen möchte: Hölderlins "caesura", die geschichtliche Atemlosigkeit inmitten des Strömens von Zeit. Die Zeit, die hier mitdirigiert wird, dann doch wieder ganz im Sinne Heideggers, als "Entbreitung der verfügten Weile". Der Moment, über den es unmessbar aber doch real zu ver-fügen gilt: hier wird er, so scheint es mir, eingeschrieben in Abbados Sicht dieser "Klassiker", die - gleich dem Strömen des Isters (d.i. der Donau) und des Rheins bei Hölderlin / Heidegger - hier wahrlich zu den Ahnungsvollen und Schwindenden zu werden scheinen. Dann sehe ich einige Tage später ein Porträt von Abbado im Fernsehen. Dass Hölderlin ein "Begleiter" ist, sagt er. Und dass er sich auf eine Berghütte zurückziehe, um dort den Sinn der Dinge wiederzufinden. Ah, denke ich mir und: Ah. Und denken muss ich wieder an Abbados Brahms Dritte, im Mai, hier in Berlin. Als die Zeit zum Strom wurde und in den Sekunden zwischen Schlussakkord und Applaus etwas geschah...

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