CYCLAD-Z : screeninglog

Filme. Wann, wo und wie: 0 wertlos, * schwach, ** durchschnittlich, *** gut, **** sehr gut, ****+ Meisterwerk

Saturday, February 28, 2004

On Dangerous Ground
(Nicholas Ray, 1952; DVD [R2], OF)
**** (sehr gut)

Typischer Nic-Ray-Film, bei dem das "was" immer deutlich hinter dem "wie" zurücktritt. Der Plot folgt (zumindest in der ersten Hälfte) klassischen Linien. Aber Zuschauer, die sich explizit fürs Filmemachen interessieren, hören eh kaum hin, sondern schauen lieber zu, wie bei Ray der Akt des Anzündens einer Zigarette schon einer Liebesszene gleichkommt.
Fantastische Schauspielerführung und wunderbare Kontrastierung zwischen der räumlichen Enge im moralischen Zerwürfnis der Stadt in der ersten und der befreienden Weite einer refugialen Schneelandschaft in der zweiten Hälfte.


La Vie de Jésus / Das Leben Jesu
(Bruno Dumont, 1997; DVD [R1], OF)
**** (sehr gut)

Bruno Dumont, von vielen als eines der größten Talente im Gegenwartskino betrachtet, kleidete seinen ersten Film in die Bilder des schmucklosesten Provinznaturalismus: Ziel- und arbeitslose Teenager, einer von ihnen, Freddy, leidet an Epilepsie, ein anderer stirbt zu Beginn des Films in einer vernichtend "echten" Szene an AIDS, Motorradrennen, Herumlungern, Basteleien an einem alten Auto. Freddy hat eine innig geliebte Freundin, Marie, mit der er regelmäßig im Film mechanisierten Sex hat. Um den geht es bei ihnen aber nicht, sondern um den gegenseitigen Bezug im Nirgendwo. Er und seine Freunde sind ganz selbstverständliche Dorfrassisten. Ein vollkommen simpler, wohl gar nicht wirklich "ernstgemeinter" Rassismus, der mit Witzen über die arabische Sprache beginnt und in der Ermordung eines arabischen Jungen gipfelt. Nicht unbedingt, weil er Araber ist (auch wenn dies die Tat sicherlich in ihrer innerdörflichen "Legitimierung" vereinfacht), sondern weil er sich für Marie interessiert, die Freddys einziger Bezugspunkt zu sein scheint. Am Ende dann eine entrückte Schlussszene: Zwei extreme Nahaufnahmen von Freddys Körper, die ihn, trotz allem, ganz explizit vermenschlichen. Auch mit seinen furchtbaren Fehlern, die er selbst nicht ertragen kann: Ein göttliches Geschöpf. Der Titel von Dumonts zweitem Film umschreibt auch diesen: L'Humanité.
posted by Janis  # 6:17 PM

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