CYCLAD-Z : screeninglog

Filme. Wann, wo und wie: 0 wertlos, * schwach, ** durchschnittlich, *** gut, **** sehr gut, ****+ Meisterwerk

Friday, April 16, 2004

American Beauty
(Sam Mendes, 1999; DVD [R2], OF)
**** (sehr gut)

Längst bin ich etwas weniger begeistert von Mendes' Debütfilm, als ich es 1999 noch im Kino war. Das Drehbuch wirkt an manchen Stellen - selbst in seiner mit den Konditionen und Klischees des "Genres" spielenden Art - etwas zu "formnah", die eine oder andere Passage vertrüge einen Tick weniger an (emotionaler) Überladung, wenngleich sich der Film dieser Überladungen auch noch so sehr bewusst zu sein scheint. Das alles soll aber nicht ablenken davon, dass American Beauty ein wunderbar gearbeiteter Film ist, der einen erheblichen Teil seiner Kraft bezieht aus der immer blickenden Kamera des superben Conrad L. Hall. Selten sieht man noch Bildkompositionen von solch zärtlich kommentierender Anwesenheit einer Kamera, die selbst wie der unsichtbare letzte Charakter in diesem Spiel wirkt - der melancholischste von allen. Dies alles erfährt eine Spiegelung im Plot durch Rickys eigenes Filmen mit der Videokamera, die in ihrer bloß noch selektierte Spuren aufzeichnenden Art der am gütigsten registrierende Blick dieses Films sein mag.
posted by Janis  # 12:34 PM

Monday, April 12, 2004

Gentlemen Prefer Blondes / Blondinen Bevorzugt
(Howard Hawks, 1953; DVD [R1], OF)
****+ (Meisterwerk)

Hawks' Klassiker mag der rasanteste und ganz und gar unverschämteste Mix aus Screwball-Comedy, Musical und Geschlechterkampfszenario sein, den Hollywood je gemacht hat und ist gleichzeitig filmtheoretisch ungebrochen faszinierend. In nahezu jeder Sequenz voll von (bisweilen wenig zweideutigen) sexuellen Anspielungen und Reizen, bewahrt der Film demgegenüber eine beinahe schockierende Aura des Unschuldigen. Er maskiert sich als hyperkapitalistisches Hollywood-Produkt des 50er und ist im selben Moment nie verlegen um gewisse "systemfremde" Frechheiten, die sich besonders im Spiel mit den Persönlichkeiten der beiden Hauptfiguren zeigen. Hawks doppelt, verschiebt und paraphrasiert hier Charakteristika verschiedener Figuren sowohl auf der männlichen, als auch der weiblichen Seite und gibt dem Film dadurch seine geschlechtsreflexive Dimension. Was er präsentiert, ist ein in filmischer Rhetorik gefochtener Kampf um Sex und Macht mit dreckigen Tricks und zynischen Augenblicken, der sich nie als solcher erklärt. Damit bleibt er immer ganz bei sich und eben großes Hollywood-Kino - jedoch mit subtilsten und nur jenseits der Reizüberflutung auffallenden Rissen, die ganz plötzlich ins grotesk Verzerrte schauen lassen. Die Avantgarde randaliert im Hinterzimmer.
posted by Janis  # 1:07 AM

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