Elephant(Gus Van Sant, 2003; Kino, DF)
****+ (Meisterwerk)
Auf die eigentümlichste denkbare Art der schönste und lyrischste Film seit langem. Van Sants Kamera bewegt sich immer, vermittelt zwischen den Zeit- und Erzählebenen - wo ist überhaupt der Punkt, an dem sich die zu Anfang erlebte Zeit wieder linear in Bewegung setzt? Oder gibt es den nicht, ist der ganze Film nur die Aufnahme von ein paar Minuten Leben? Alles hier ist ganz und gar menschlich und die Filmform anbetungswürdig in ihrer Menschlichkeit. Sie gestattet jeder Figur ihren eigenen Rhythmus, im Laufen, im Atmen, im Blicken; sie überträgt ihre Existenz auf die Form und die trifft uns zuerst und am deutlichsten. Deswegen kennen wir auch alle Figuren. Auch Benny, den athletischen schwarzen Hühnen, der während des Massackers durch die Gänge läuft. Die Kamera atmet mit ihm, liebt ihn. Wir sehen ihn hier, gen Ende des Films, zum ersten Mal und doch ist alles gesagt mit der Art, wie Van Sant ihn anschaut. Immer wieder: Diese Unschärfen am Ende der langen Gänge, wenn die Kamera den Figuren minutenlang im Rücken folgt. Der Raum, die ganze Welt sind so offen und uneinsehbar, dass in ihr Beethoven und Waffenfetischismus Platz haben. Zusammen, nebeneinander - das eine gehört zum anderen, zur Dualität des Menschseins. Nichts schließt sich hier aus, auch nicht der letzte, erste und einzige Kuss der beiden Täter untereinander und ihr anschließendes Blutbad. Alles Menschen. Die Täter und die Opfer. Erschöpfung an der Unfassbarkeit des Menschseins; die Verzweiflung darüber, hier ist sie Bild geworden. Ein großartiger Film.
Twentynine Palms(Bruno Dumont, 2003; DVD [R2], OF)
*** (gut)
Hier.