Erkennen und verfolgen(Harun Farocki, 2003; Kino, OF)
**** (sehr gut)
Am Anfang stehen die Bilder der "Fernsehbomben" aus dem Golfkrieg von 1991. Unkommentiert und tonlos stürzt sich die Kamera mit den Bomben ins Ziel. Brückenköpfe, Fabriken, militärische Vehikel. Auszug um Auszug. Erst spät mischt sich der für den Essayfilm so charakteristische Off-Kommentar ein. Dazu montiert Farocki "operative" Bilder aneinander: Von Überwachungs- und Informationskameras aus der Industrie. Man sieht kleinste Prozesse in mechanischer Perfektion ablaufen und an vielem davon kann man sich kaum satt sehen: Wie Roboterarme Autoteile fertigen, ein Kameraauge auf einer Bombe hin und her "blickt", in der Computersimulation animierte Militärfahrzeuge, die, werden sie getroffen, tatsächlich zu brennen beginnen - mit Rauch und Feuer in Orange-Gelb-Rot. Das Hyperreale, das "Simulacrum", findet mit jeder erdenklichen Detailgenauigkeit statt - jedoch zumeist menschenleer, weil der Mensch nicht zum Teil des Prozesses werden kann. Ihm fehlen entscheidende Konstanten. Deswegen "streichen" die Kameras aus ihren Aufzeichnungen auch (oder zumindest: lassen unberücksichtigt), was nicht zuvor bereits in ihnen abgespeichert worden ist. Der Vergleich wird zur bestimmenden Instanz in der Art, wie und wohin diese Kameras und Roboter ihr Schauen richten. Das mathematische Vorgefertigtsein des Bildes macht die letztliche Aufnahme als solche zunichte. An die Stelle der Abbildung rückt die Verbildlichung. Nicht Realität, sondern Erfüllung. (Wieder)Erkennen. Und dann verfolgen.